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MiMü am 02.Februar 2013:

Segschneider rezensiert #02: Nina Simone – Feeling Good

Ges­tern flat­terte mir Seg­schnei­ders zwei­ter Text zur Musik ins Haus. Ich denke, das wird nun eine eigene Rubrik wer­den! Hier die neue Rezen­sion, die sich dies­mal nicht mit einem kon­kre­ten Album, son­dern einem bestimm­ten Titel von Nina Simone befasst. „Fee­ling Good“ gibt’s auf etli­chen Alben – ich stelle mal ein Bild mei­nes Nina Simone-Sam­plers dane­ben. Nun aber Seg­schnei­der:

Nina Simone - My Baby Just Cares For Me (Sampler)DIE FARBE BLAU – Nina Simone feeling good

Legt man die übli­chen Maß­stäbe an, dann hat sie ein schwie­ri­ges und schwe­res Leben gehabt, zuviel Leich­tig­keit kann da nicht gewe­sen sein. Und trotz­dem hat sie all die Jahre diese unglaub­li­che Musik gemacht. Man braucht nur mal im Leben etwas Schwe­res durch­zu­ma­chen: Nina S. auf­le­gen – man fühlt sich ver­stan­den und auf eine selt­same, weil ratio­nal kaum zu erklä­rende Weise getrös­tet.

In ihrem Oeu­vre gibt es viele Per­len. Wie sie „Mis­sis­sippi God­dam“ hin­knallt, einen Auf­schrei der Bür­ger­rechts­be­we­gung, getrie­ben von der Lei­den­schaft eines Mar­tin Luther King – atem­be­rau­bend. Und den Song von der See­räu­ber Jenny erst!! Da müsste es Kurt Weill vom Stuhl geho­ben haben vor Begeis­te­rung. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass das je so hoch­en­er­ge­tisch, so explo­siv über eine Opern­bühne gebracht wor­den ist. (Ja, ich habe Lotte Lenya gehört und ich will über sie kei­nes­wegs nör­geln.) Wie gesagt, Per­len gibt es viele.

Aber drei Stü­cke kata­pul­tie­ren sie in den Olymp. Mei­ner unmaß­geb­li­chen Mei­nung nach. Zwei davon gelang es mir auf CD zu ergat­tern, ich hätte sie gerne auf LP, es sind jedoch sel­tene Stü­cke. Das dritte muss an die­ser Stelle uner­wähnt blei­ben, ich will mir meine Chan­cen da noch­mal dran­zu­ge­lan­gen nicht total ver­bauen. Womit wir zu Plain gold ring kom­men. Das ist eine jener für sie so typi­schen Bal­la­den, die erzäh­len, wie’s einem so erge­hen kann, wenn es – in Heu­te­sprech – sub­op­ti­mal läuft.

Das andere Stück ist mein Favo­rit: Fee­ling good. Da lässt sie sich flie­gen, hier und heute und die­ses eine Mal, weg aus dem grauen All­tag, rein in die bes­sere Welt. Es ist ein­fach auf­ge­baut, wie viele ihrer Songs. Ihre Stimme kon­tras­tiert mit mas­si­ven Orches­ter­ein­sät­zen, die – auf einer traum­haf­ten Musik­an­lage abge­spielt, HiFi wäre zu wenig – emo­tio­nale Bar­rie­ren durch­schla­gen wie der Punch eines Schwer­ge­wicht­bo­xers. Oben­drein spielt Nina diese gehauch­ten Kla­vier­töne, über deren tech­ni­sche und pia­nis­ti­sche Bril­li­anz ein deut­scher Kon­ser­va­to­ri­ums­schü­ler nur die Nase rümp­fen würde – aber da irrte er sich gründ­lich. Timing und tim­bre, darin ist Nina S. schlicht­weg unnach­ahm­lich. Ihre emp­find­sa­men Töne atmen, tra­gen Stim­mun­gen und leben auf ganz eigene Weise. Die meis­ten Men­schen ahnen nicht, wie schwer es ist, so leicht zu spie­len.

Mini­ma­lis­mus heisst, die Welt in einem Was­ser­trop­fen zu sehen. Bei Nina Simone kann man eine ganze Welt vol­ler Emp­fin­dung in einem Kla­vier­ton hören. Wenn man denn hin­hö­ren will. (Und wenn man die geeig­nete Anlage dazu hat – oder geht’s auch ohne, Michael? Da soll­ten wir uns mal ein paar Gedan­ken drü­ber machen … )

– seg –