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MiMü am 24.Juni 2011:

Easy Listening

In den 40er Jahren entsteht in den Vereinigten Staaten eine neue Musikrichtung: Easy Listening. Abgeleitet aus Swing- und Bigbandsounds, lehnt sich diese Musik sehr stark an den Massengeschmack an. Beim Repertoire handelt es sich oft um instrumentale Versionen bekannter Titel aus den Hitparaden. Instrumentalsolisten ersetzen die Gesangsparts. Typischerweise wird der Orchesterklang durch Streicher angereichert. Gelegentlich hört man Hintergrundchöre, die aber instrumental eingesetzt werden und nicht etwa Texte singen.

Anders aber als Muzak, eine Art funktioneller Gebrauchsmusik für Fahrstühle, Warenhäuser und Hotelfoyers, die vom Hörer weitgehend unbewusst wahrgenommen wird und ihn milde stimmen oder seine Kauflust beflügeln soll, stellt die Easy Listening Music den Anspruch, den Hörer unterhalten und entspannen zu wollen.

Typische Vertreter der ELM sind im Bereich der Orchestermusik James Last, Billy Vaughn, Mantovani, Bert Kaempfert, Ray Conniff und Liberace. Natürlich gibt es neben bekannten Instrumentalsolisten wie Herb Alpert oder Kenny G auch Vokalisten, die sich auf dem Gebiet des Easy Listening hervorgetan haben. Hier seien nur Dean Martin, Al Martino, Engelbert, Helmut Lotti oder Perry Como genannt.

Gebrauchte James-Last-Scheiben kann man ja zentnerweise bekommen – der Mann hatte einen sagenhaften output an Veröffentlichungen und muss seine Musik wirklich gut verkauft haben. Bisher lasse ich von seinen Platten die Finger – allerdings gebe ich zu, eine James-Last-Weihnachts-LP zu besitzen, die selbst für Leute mit meiner musikalischen Sozialisation absolut unpeinlich ist. Gut möglich, dass es im Wust der Last-Veröffentlichungen noch die ein oder andere Perle zu entdecken gibt.

Bert Kaempfert (1923-1980)


Bei meinen Streifzügen über Flohmärkte und meinen Besuchen bei Haushaltsentrümplern waren Platten aus dem Bereich Easy Listening zunächst allerhöchstens „Beifang“. Das änderte sich, nachdem ich die äußerst sehenswerte Dokumentation „STRANGERS IN THE NIGHT – die Bert Kaempfert Story“ von Marc Boettcher im Fernsehen gesehen hatte. Jetzt suche ich sogar nach solchen Tonträgern.

Strangers In The Night - The Bert Kaempfert Story (DVD)

Strangers In The Night – The Bert Kaempfert Story (DVD)

Mein Wissen über Kaempfert beschränkte sich bis zu dem Zeitpunkt darauf, dass er der Komponist von „Strangers In The Night“ und „Spanish Eyes“ gewesen ist. Ich dachte immer, er sei Amerikaner, dabei war er Deutscher, der erst in Amerika seine großen Erfolge feiern konnte. Wenn man sich dem Mann und seinem Werk nähert, tut sich ein kleiner musikalischer Kosmos auf, mit dem zu beschäftigen sich wirklich lohnt. Nachfolgend eine Aufnahme von 1967, an der man zwei typische Merkmale von Kaempfert-Arrangements festmachen kann: zum einen hört man den so genannten „Knackbass“, gespielt von Ladi Geisler. Dabei handelt es sich um eine Spielweise, bei der die mit einem Plektrum angerissene Basssaite sofort wieder gedämpft wird, so dass es nicht zu einem längeren Ausschwingen der Saite kommt. Als Soloinstrument wird meist die Trompete oder die Posaune eingesetzt – in diesem Medley dominiert die Trompete von Manfred Moch:

Inzwischen versuche ich mich weiterzubilden und habe neben einigen Vinylplatten von Bert Kaempfert und anderen Größen dieser Musikrichtung auch ein paar LPs von

Mantovani (1905-1980)

zusammengetragen. Annunzio Paolo Mantovani , in Italien geboren, wirkte als Orchesterleiter in England. Sein Stil war stark von seinen Streicherarrangements bestimmt, den so genannten „Cascading Strings“.


Mantovani war dabei immer auf Wohlklang bedacht. In einem Interview, das im Innenteil des Albums „Mantovani – Ein Klang verzaubert Millionen“ abgedruckt ist, beschreibt er seine Vorgehensweise:

„Ich spiele ja selbst Geige. Ich weiß,was ich von Streichern erwarten kann. Ich weiß um die Möglichkeiten des Instruments Violine. Ich weiß, was man damit machen kann und nicht. Und wenn Sie eins meiner Geheimrezepte wissen wollen: ich vermeide es, mit meinem Streicherapparat hohe Tonlagen anzupeilen.“

Da haben wir es: es geht um Easy Listening, also leichte Konsumierbarkeit. Aber toll anhören tut sich das schon, auch hier eine Kostprobe:

Wann ich diese Musik höre? Bevorzugt beim späten Sonntagsfrühstück!

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