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Kom­men­ta­re schal­te ich frei, nach­dem ich sie mir ange­se­hen habe. Dabei kann es zu klei­nen Ver­zö­ge­run­gen kom­men.

Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plug­in instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Soll­te ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plug­in zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bit­te per Email nach­ha­ken!

Segschneider am 08.Februar 2016:

Transistor vs. Röhre

Wenn eine Tech­nik den Sieg über eine ande­re Kon­struk­ti­ons­wei­se errun­gen hat, kann man nichts ande­res erwar­ten als: der Sie­ger schreibt die Geschich­te. Er schreibt auch die Geschicht­chen, all die­se vie­len klei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen, die du und ich so über­all lesen. Und er wäre ja schön blöd und wür­de sich selbst in den Hin­tern tre­ten, wenn er von sei­nen eige­nen Schwä­chen schrie­be. Das tut er nicht. Wagen wir also einen Blick über den Zaun ins sorg­fäl­tig Ver­bor­ge­ne. Aber Ach­tung: der Sie­ger wird pro­tes­tie­ren!

Transistor vs. Röhre

Quel­le: © Seme­ni­uk 1963 via Wiki­me­dia Com­mons

Ein Tran­sis­tor kann den Signal­strom, den er uns lie­fern soll, nur modu­lie­ren; er kann ihn nicht erzeu­gen. Mit ande­ren Wor­ten: jeden Signal­strom, den ich dem Gerät ent­neh­men möch­te, muss ich ihm zuvor durch die Strom­ver­sor­gung gege­ben haben. Damit die Strom­ver­sor­gung das kann, muss sie im Ide­al­fal­le den Innen­wi­der­stand null haben. Will ich hun­dert Watt hin­ten raus­krie­gen in Form eines Musik­si­gnals, muss ich vor­ne (min­des­tens - etwai­ge Ver­lus­te, Wir­kungs­gra­de, Abwär­me und sons­ti­ge Klei­nig­kei­ten nicht gerech­net) genau die­se hun­dert Watt rein­schie­ben, und zwar ohne Zeit­ver­zö­ge­rung. Netz­tei­le die­ser Sor­te sehen typisch so aus: dicker Netz­tra­fo - Gleich­rich­tung - rie­si­ger Glät­tungs­kon­den­sa­tor, alles ande­re wäre schon von Übel, weil es meis­tens den Innen­wi­der­stand erhöht.

Und genau an die­ser Stel­le fan­gen die Pro­ble­me des Tran­sis­tor­kon­struk­teurs an. Denn eine sol­che Kom­bi­na­ti­on macht natür­lich immer noch jede Men­ge Rest­wel­lig­kei­ten, die ein­fach nicht da sein soll­ten. Also, bit­te­schön, die bes­ten Dioden ver­wen­den, denn man kann den Unter­schied hören, den Strom regeln, die Span­nung regeln, ähh, doch bes­ser nicht, denn wenn ich Strom und Span­nung gleich­zei­tig fest­hal­te … - der Tran­sis­tor­kon­struk­teur hat’s nicht leicht. Schlim­mer noch ist fol­gen­der Zusam­men­hang. Der Strom­fluss in einer Grenz­schicht­flä­che (so nen­nen die Phy­si­ker das) ist abhän­gig von der Tem­pe­ra­tur, exakt geht der Strom mit der vier­ten (!) Potenz der Tem­pe­ra­tur ein­her. Mit all­ge­mei­nen Wor­ten: der Tran­sis­tor ist ther­misch extrem insta­bil und führt bezüg­lich sei­nes ther­mi­schen Ver­hal­tens ein fröh­li­ches, lei­der nur völ­lig uner­wünsch­tes Eigen­le­ben. Ergo muss der Tran­sis­tor­kon­struk­teur auch dage­gen ankämp­fen, was bei den bes­se­ren Kon­zep­tio­nen mit einer Class-A-Kon­struk­ti­on geschieht; die­se hilft dann, das all­fäl­li­ge ther­mi­sche Eigen­le­ben pro­zen­tu­al klein zu hal­ten. Zum bes­se­ren Tran­sis­tor gehört das Alu­mi­ni­um­ge­bir­ge und die dadurch beding­te Warm­lauf­zeit - “… ach was”, sagt das Ver­kaufs­ge­nie, “… las­sen sie ihn doch ein­fach immer ein­ge­schal­tet”, und die Abwär­me macht den Raum behag­lich warm: lau­ter Vor­tei­le auf ein­mal! Die phy­si­ka­li­sche For­mel über die ther­mi­sche Insta­bi­li­tät stammt übri­gens von Albert Ein­stein, und ich per­sön­lich kon­stru­ie­re nicht ger­ne gegen Ein­stein an. Vie­le Phy­si­ker, die gegen Ein­stein gedank­lich ange­hen woll­ten, sind bis­her gross­flä­chig geschei­tert.

Dem­ge­gen­über ist die Röh­re sehr viel teu­rer in Her­stel­lung und Ver­ar­bei­tung. Sobald sie nach einer Anwärm­zeit von cir­ca drei­ßig Sekun­den ihre Betriebs­tem­pe­ra­tur erreicht hat, ist sie ther­misch über­ra­schend sta­bil; bei guten Kon­struk­tio­nen kann man zwi­schen­durch ruhig für eini­ge Sekun­den aus­schal­ten, die Musik spielt unbe­irrt wei­ter und außer dem “Klack” des Aus­schal­ters wird man nichts Nega­ti­ves hören. Sie wärmt den Raum genau so gut oder weni­ger, braucht kei­ne hal­be Stun­de vor­zug­lü­hen, und man­che Mit­men­schen fin­den den erleuch­te­ten Kol­ben sogar schön. Wich­ti­ger ist, dass Röh­ren aus dem Netz­teil nur den Gleich­strom und die Gleich­span­nung neh­men, die sie für ihren spe­zi­fi­schen Arbeits­punkt benö­ti­gen. Wie bit­te??! Wo kommt denn dann der Signal­strom her? Den macht die Röh­re sel­ber, weil sie das kann: sie bedient sich dazu aus der Elek­tro­nen­wol­ke, die ihre Kato­de im Über­fluss lie­fert; für den ein­zel­nen Impuls kann sie ein Viel­fa­ches ihres Gleich­stro­mes als (Wechsel)Signalstrom lie­fern.

Aus mei­ner Sicht addiert sich das zu ent­schei­den­den Vor­zü­gen auf: das Netz­teil kann nahe­zu belie­big gut gemacht wer­den (sie­he Netz­teil für einen Röh­ren­ver­stär­ker Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4), ther­mi­sche Sta­bi­li­tät ist satt und im Über­fluss vor­han­den, Alu­mi­ni­um­ge­bir­ge gibt’s nicht. Ach ja, fast hät­te ich’s ver­ges­sen: selbst wenn ich die Vor­röh­re als Typ X und die (Leistungs-)Endröhre als Typ Y fest­le­ge, bleibt dem Anwen­der die Mög­lich­keit, sei­ne bevor­zug­ten Ausführungen/Fabrikate ein­zu­set­zen und damit die Wie­der­ga­be­ei­gen­schaf­ten des Gerä­tes in die gewünsch­te Rich­tung zu ver­än­dern. Röh­ren­ge­rä­te las­sen sich sehr indi­vi­du­ell betrei­ben.

Und dann sind da noch Klei­nig­kei­ten, die das Kon­struk­teurs­herz erfreu­en: ich benö­ti­ge kei­ne Gegen­kopp­lung, um schlech­te Strom­ver­sor­gun­gen zu bekämp­fen, ich habe zwi­schen kei­ner Gegen­kopp­lung und zuviel des Guten die vol­le Frei­heit, ich muss nicht die Feh­ler von PNP-Tran­sis­to­ren mit denen von NPN-Typen bekämp­fen, und noch so eini­ges. Röh­ren­ge­rä­te sind gebo­re­ne “First Watt”-Sieger. Der Tran­sis­tor ist gera­de mit tat­kräf­ti­ger Hil­fe von Nel­son Pass dabei, das zu ler­nen. Immer­hin, lern­fä­hig ist er.

- Seg­schnei­der -

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