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Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plug­in instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Soll­te ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plug­in zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bit­te per Email nach­ha­ken!

Claudia S. am 15.April 2018:

Warum gibt es Musik?

Der Dich­ter und Sän­ger Hein­rich von Mei­ßen, gen. Frau­en­lob, aus dem Codex Manes­se (via wiki­me­dia com­mons - public domain)

Musik muss zu den Kul­tur­gü­tern gezählt wer­den. Ist viel­leicht sogar DAS Kul­tur­gut. Alle mensch­li­chen Kul­tu­ren frö­nen einer Form von Musik – zur Freu­de oder auch als Form des Gebets. Die­se Aus­for­mun­gen kön­nen aller­dings sehr unter­schied­lich aus­fal­len. War­um Musik die­se Rol­le spielt, ist eine Fra­ge, der vie­le For­scher nach­ge­hen.

Die streng dar­wi­nis­tisch ori­en­tier­ten For­scher haben eine Theo­rie, aber kei­ne Ant­wort. Gemäß Dar­win gehen sie von fol­gen­dem Punkt aus: „Wenn Musik kei­ne Bedeu­tung und kei­nen Vor­teil im Lauf der Evo­lu­ti­on gehabt hät­te, dann hät­te sie sich nicht erhal­ten, hät­te sie nicht über­lebt“. Es wird sogar behaup­tet, dass Musik ein Aus­le­se­kri­te­ri­um gewe­sen sei – dass also Men­schen, die musi­zier­ten, von der Evo­lu­ti­on bevor­zugt wor­den sind. War­um? Das weiß kei­ner, dar­wi­nis­tisch muss man das auch nicht wis­sen. Der Musi­zie­ren­de ist bestan­ge­passt und hat über­lebt.

Nun, der bedeu­ten­de Wis­sen­schafts­theo­re­ti­ker Karl Pop­per hat am Dar­wi­nis­mus kri­ti­siert, dass “der Über­le­ben­de ist der Bestan­ge­pass­te“ letzt­lich hohl ist, denn “der Bestan­ge­pass­te ist der Über­le­ben­de” (ein ande­res Kri­te­ri­um für bestan­ge­passt gibt es nicht). Und dass das Gan­ze daher ein Zir­kel­schluss ist.

Charles Darwin

Charles Dar­win, 1809-1882 (Bild: public domain - via wiki­me­dia com­mons)

William James

Wil­liam James, 1842-1910 (Bild: public domain - via wiki­me­dia com­mons)

Dar­win selbst war sich nicht so sicher. Er hielt Musik für eine der rät­sel­haf­ten Ent­wick­lun­gen der Mensch­heit. Sei­ne Nach­fol­ger dach­ten „muss ja einen Sinn haben“. Und die Gegen­spie­ler dach­ten das Gegen­teil. Da wäre zum Bei­spiel Wil­liam James, der als einer der Grün­dungs­vä­ter der Psy­cho­lo­gie ange­se­hen wird.

Er glaub­te nicht, dass Musik ein Aus­le­se­kri­te­ri­um ist, son­dern dass Musik als Neben­pro­dukt ande­rer kogni­ti­ver Fähig­kei­ten ent­stand. Men­schen lie­ben Musik, leben län­ger und gesün­der, wenn sie Musik genie­ßen. Da sind wir wie­der bei Dar­win (Musik lässt uns über­le­ben) – oder ist sie ein­fach nur ein Neben­pro­dukt? Wirk­lich?

Es wird noch lus­ti­ger. Ich muss­te als Psy­cho­lo­gie­stu­den­tin an Anthro­po­lo­gie­kur­sen teil­neh­men. Da geht es ums Selek­ti­ons­ver­hal­ten von Män­nern und ihrer Suche nach Weib­chen. Bei Anthro­po­lo­gie geht es immer um Männ­chen. Soll ich als femi­nis­tisch ein­ge­stell­ter Mensch belei­digt sein? Weib­chen kön­nen ja nur ab und zu pro­du­zie­ren. Männ­chen dau­ernd mit lau­ter Weib­chen. Ehe ist also kon­tra­pro­duk­tiv!

Männ­chen wol­len ihre Gene ver­brei­ten. Haupt­sa­che, in der nächs­ten Gene­ra­ti­on gibt es ein Maxi­mum an eige­nen Genen. Lie­be gibt es nicht. Tschul­di­gung. Ich muss mal lachen. Dann rufen Männ­chen (Musik!) damit sie Weib­chen abkrie­gen. Noch bes­ser – wenn ein Männ­chen ruft, sit­zen ande­re kurz davor, damit die Weib­chen, die das rufen­de (musi­zie­ren­de) Männ­chen suchen, auf dem Weg dahin an den ande­ren Männ­chen vor­bei­kom­men müs­sen und die­se sie dabei „abgra­sen“ kön­nen.

Also – ist Musik, wie eini­ge Wis­sen­schaft­ler glau­ben, nur Selek­ti­ons- und/oder Impo­nier­ge­ha­be? Das nächs­te Mal, wenn Sie Ihre Lieb­lings­mu­sik genie­ßen, suchen Sie also ein neu­es Weib­chen oder GENIESSEN SIE, ganz für sich? Die­se Fra­ge müs­sen Sie sich selbst beant­wor­ten…

Clau­dia S.

Lite­ra­tur:
Ani­rud­dh D. Patel (2008). Music, lan­guage, and the brain. New York: Oxford Uni­ver­si­ty Press.

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