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Segschneider und MiMü am 11.August 2018:

GRANDE
Drei Triodenwatt für Liebhaber - #2

von Micha­el Münch und Seg­schnei­der

Die Schaltung

Stromversorgung

Mit der Suche nach einem Tra­fo­wick­ler, der uns einen auf unser Pro­jekt maß­ge­schnei­der­ten Netz­tra­fo mit M-Kern und mit­telan­ge­zapf­ter Sekun­där­wick­lung für Zwei­we­ge-Gleich­rich­tung rech­net und macht, taten wir uns schwe­rer, als wir es uns ohne­hin vor­ge­stellt hat­ten. Uns war klar: es gibt heu­te nur noch weni­ge Fir­men - oder genau­er gesagt: weni­ge Men­schen -, die die­ses Hand­werk von Grund auf beherr­schen. Und die, die es kön­nen, spre­chen offen­bar eine ande­re Spra­che als wir Ama­teu­re. Die­se Sprach­bar­rie­re, mit der wir zunächst nicht gerech­net hat­ten, bescher­te uns im Lau­fe der Zeit drei nur bedingt ein­setz­ba­re Pro­to­ty­pen, die man kei­nem emp­feh­len kann, der unser Pro­jekt nach­bau­en will.

Wohl­mei­nen­de Freun­de rie­ten uns dar­auf­hin, über den Ein­satz eines Ring­kern­tra­fos nach­zu­den­ken. Björn rech­ne­te ihn für uns und die Fir­ma RONDO Mül­ler hat ihn gewi­ckelt. Das war der Durch­bruch!

Schaltbild des GRANDE - Netzteils

Schalt­bild des GRANDE - Netz­teils - zum Ver­grö­ßern ankli­cken!

Die­ser Tra­fo speist nach Gleich­rich­tung eine klas­si­sche Sieb­ket­te. Wer höhe­re Leis­tung will, muss höhe­re Span­nun­gen und Strö­me bereit­stel­len. An die­sem grund­le­gen­den Zusam­men­hang führt kein Weg vor­bei. Des­halb wer­den 450-Volt-Typen als Elkos ein­ge­setzt, in einer Grö­ße von 470µF. Wir hat­ten Glück und konn­ten  einen Son­der­pos­ten sol­cher Kon­den­sa­to­ren zu einem sehr beschei­de­nen Preis abgrei­fen. Des­halb als klei­ner Ein­kaufs­tipp: es lohnt sich manch­mal, nicht nur nach der pas­sen­den Anzahl Aus­schau zu hal­ten, son­dern durch­aus auch den Ein­kauf einer etwas grö­ße­ren Men­ge zu erwä­gen. Die über­zäh­li­gen Exem­pla­re kön­nen ent­we­der beim nächs­ten Pro­jekt ver­wen­det oder an Audio­freun­de abge­ge­ben wer­den.

Bereits in vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen hat­ten wir dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zusam­men­schal­tung des letz­ten Sieb­kon­den­sa­tors mit dem Aus­gangs­über­tra­ger einen Seri­en­schwing­kreis bil­det und dass man freund­li­cher­wei­se etwas dage­gen tun soll­te (sie­he: Reso­nanz­ver­hält­nis­se). Bei Klein­leis­tungs­end­stu­fen hat man es dies­be­züg­lich ein­fach, man kann den dämp­fen­den Wider­stand Rd (gebil­det aus dem Kup­fer­wi­der­stand der pri­mä­ren Tra­fo­wick­lung, hier 150 Ohm, und dem zuge­schal­te­ten Wider­stand, hier 82 Ohm) erhö­hen und den dadurch ein­tre­ten­den Leis­tungs­ver­lust hin­neh­men. Möch­te man hin­ge­gen eine grö­ße­re Leis­tung, geht das so nicht. Des­halb set­zen wir, ver­gli­chen mit der PL82-End­stu­fe, einen gerin­ge­ren Dämp­fungs­wi­der­stand ein und ver­wen­den meh­re­re 470µF-Elkos als letz­tes Sieb­glied, so dass eben­falls eine gute Dämp­fung des Schwing­krei­ses erreicht wird. Zugleich wird eine sta­bi­le Ver­sor­gung mit Gleich­strom erreicht, denn 4 x 470µF als letz­ter Elko, das schafft schon einen soli­den Puf­fer gegen Schwan­kun­gen.

Wie man gene­rell die pas­sen­den Wer­te für einen sol­chen Auf­bau errech­net, ist auf die­sen Sei­ten bereits vor­ge­stellt wor­den (sie­he: Netz­teil mit RC-Siebung für einen Röh­ren­ver­stär­ker). Wir möch­ten es an die­ser Stel­le nicht wie­der­ho­len. Wer sich dafür inter­es­siert oder unse­ren Auf­bau nach­rech­nen mag, kann das leicht nach­schla­gen.

Audioschaltung

das Schaltbild des GRANDE

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Die Fir­ma Mul­lard schlägt in ihren alten Unter­la­gen eine Tri­oden­ein­stel­lung von 250V und 70mA vor. Das hät­te sich mit unse­ren pri­mä­ren 3,0kOhm Impe­danz des Ogo­now­ski-Über­tra­gers nicht so gemat­ched, dass vol­le 3 Watt Aus­gangs­leis­tung ent­stan­den wären. Des­halb haben wir den Arbeits­punkt leicht ange­ho­ben auf 80mA (maxi­mal 100mA) und 280 Volt. In bei­dem ver­daut eine (klas­si­sche, wir reden nicht von Chi­na­kra­chern) EL34 deut­lich mehr, die Maxi­mal­wer­te schöp­fen wir damit nicht aus. Auch mit der Ver­lust­leis­tung von 22,8 Watt bewe­gen wir uns noch im maß­vol­len Bereich - Mul­lard nennt 30 Watt maxi­mal, sofern 500 Volt an der Anode nicht über­schrit­ten wer­den. Die­se Ein­stel­lung gewährt uns hohe Linea­ri­tät und lässt zugleich eine ange­neh­me Lebens­dau­er erwar­ten.

Die trei­ben­de Röh­re wur­de eben­falls auf die­sen Sei­ten schon vor­ge­stellt. Es ist eine 5654 oder eine ihrer Vari­an­ten. Für Neu­ein­stei­ger ist wie­der­um erwäh­nens­wert, dass es die­se Röh­re aus alter rus­si­scher Fer­ti­gung als 6Zh1P-EV, rus­sisch 6Ж1П-ЕВ (noch) recht preis­wert gibt. Und es exis­tiert eine Fül­le von Vari­an­ten, die eine weit­ge­hen­de Anpas­sung an die indi­vi­du­el­len Hör­ge­wohn­hei­ten erlaubt. Zu den klang­lich hoch­wer­ti­gen gehö­ren zum Bei­spiel die WE403B, die sel­te­ne Armee­ver­si­on RCA 5654 com­mand - nicht zu ver­wech­seln mit der ordi­nä­ren Mili­tär­aus­ga­be RCA 6AK5W mit mili­ta­ry-Stem­pel, die schwe­di­sche Erics­son 5591, die Mul­lard M8100 und und und. Mit ande­ren Wor­ten: dem tube­rol­ling, wie die eng­lisch spre­chen­de com­mu­ni­ty das nennt, sind kaum Gren­zen gesetzt.

Die beson­de­re Beschal­tung der ers­ten Röh­re, mit einer Span­nungs­ge­gen­kopp­lung von der Anode aufs Git­ter wur­de eben­falls bereits erläu­tert (sie­he: Trei­ber­röh­re). Wer die Vor­zü­ge die­ser Beschal­tung begrün­det haben möch­te, kann das hier nach­le­sen. Die gesam­te Schal­tung ist zwei­stu­fig und ver­wen­det die Pro­fi-Gegen­kopp­lung von der Anode der Leis­tungs­röh­re zur Katho­de der ers­ten Röh­re. Die­ser Auf­bau hat sich bewährt, wenn man erst­klas­si­ge klang­li­che Eigen­schaf­ten errei­chen will - wir sahen kei­nen Grund, davon abzu­wei­chen.

Da es vor­wie­gend um letz­te­res geht, näm­lich die erst­klas­si­gen klang­li­chen Eigen­schaf­ten, ist es den Ver­fas­sern auch völ­lig egal, dass die Kom­bi­na­ti­on die­ses Röh­ren-Winz­lings mit der viel­fach grö­ße­ren EL34 in den Augen man­cher Audio­phi­ler viel­leicht eigen­tüm­lich aus­schaut. Wer mit einem offe­nen Auf­bau des GRANDE lieb­äu­gelt, für den ist es viel­leicht die Krö­te, die er ungern schluckt. Aber opti­sche Gefäl­lig­kei­ten stan­den bei die­ser Kon­zep­ti­on wirk­lich nicht im Vor­der­grund, son­dern klang­li­che. Und klang­lich ist dies eine sel­ten gute Kom­bi­na­ti­on mit gro­ßem Gestal­tungs­po­ten­ti­al.

Triodisierung

Die EL34 gehört zu den sel­te­ne­ren Pen­to­den, bei denen das drit­te Git­ter nicht mit der Katho­de fest ver­bun­den ist, son­dern sepa­rat her­aus­ge­führt wird. Damit bie­tet sich die Mög­lich­keit, sie auf drei unter­schied­li­che Arten zu tri­odi­sie­ren.

Num­mer eins ist als bekann­ter Stan­dard in der Sze­ne weit ver­brei­tet.

Triodisierung 1

Tri­odi­sie­rung 1

Dabei wird die Katho­de mit dem drit­ten Git­ter ver­bun­den und das zwei­te Git­ter über einen 100 Ohm-Wider­stand an die Anode ange­schlos­sen. Die­se Metho­de gilt als nar­ren­si­cher und hat den Ruf, immer zuver­läs­sig zu funk­tio­nie­ren.

Num­mer zwei geht einen ande­ren Weg, der auch in den Unter­la­gen der einen oder ande­ren Pro­fi-Röh­re vor­ge­schla­gen wird. Auch die­se Metho­de gilt als ein alt­be­währ­tes Ver­fah­ren.

Triodisierung 2

Tri­odi­sie­rung 2

Hier wer­den sowohl zwei­tes als auch drit­tes Git­ter mit der Anode ohne zwi­schen­ge­schal­te­te Wider­stän­de ver­bun­den, damit ent­steht qua­si eine drei­tei­li­ge Anode. Die­se Ver­si­on wur­de zum Bei­spiel für die Post­röh­re C3m in den Unter­la­gen von Sie­mens vor­ge­schla­gen.

Schließ­lich kommt aus dem Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten eine etwas neue­re Vari­an­te. Dabei wird das zwei­te Git­ter (wie in Vari­an­te eins) über einen 100 Ohm-Wider­stand mit der Anode ver­bun­den, wohin­ge­gen das drit­te Git­ter über einen 100 nF-Kon­den­sa­tor, Span­nungs­fes­tig­keit min­des­tens 400V, bes­ser 500V, auf die Katho­de gelegt wird.

Triodisierung 3

Tri­odi­sie­rung 3

Die­se Art der Tri­odi­sie­rung hat Seg­schnei­der in einer Schal­tung ein­ge­setzt, die eine gerin­ge­re Leis­tung abgibt und die oben­ge­nann­ten Mul­lard-Arbeits­punk­te ver­wen­det (250 v Anoden­span­nung und 70 mA Strom) und war von den klang­li­chen Resul­ta­ten ange­tan, nach­dem er zuvor Vari­an­te eins gehört hat­te. Mit die­sen drei Vari­an­ten hat der Anwen­der die Mög­lich­keit, eine Fein­ab­stim­mung die­ses Ent­wurfs nach sei­nen Vor­stel­lun­gen zu erzie­len - und selbst­ver­ständ­lich auch nach sei­nen Hör­ge­wohn­hei­ten.

Den­je­ni­gen, die sich ein­ge­hen­der über die Tri­odi­sie­rung von Pen­to­den infor­mie­ren möch­ten, bie­ten wir hier als Down­load das Manu­skript eines Vor­tra­ges an, den Tom Schlan­gen 2006 im Rah­men des Euro­pean Tri­ode Fes­ti­val gehal­ten hat: Pen­to­des con­nec­ted as Tri­odes. Wir bedan­ken uns bei Tom Schlan­gen für die freund­li­che Geneh­mi­gung!

- wird fort­ge­setzt -

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