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Kom­men­ta­re schal­te ich frei, nach­dem ich sie mir ange­se­hen habe. Dabei kann es zu klei­nen Ver­zö­ge­run­gen kom­men.

Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plug­in instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Soll­te ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plug­in zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bit­te per Email nach­ha­ken!

Segschneider und MiMü am 20.Juli 2018:

GRANDE
Drei Triodenwatt für Liebhaber - #1

von Micha­el Münch und Seg­schnei­der

Intro

der GRANDE im noch unverkabelten Rohbau

der GRANDE im noch unver­ka­bel­ten Roh­bau

Gibt es ein Leben nach der 2A3? Wir mei­nen: ja. Inter­na­tio­nal wird die Sze­ne der etwas leis­tungs­stär­ke­ren Lieb­ha­ber-End­stu­fen von der 2A3 beherrscht. Einer Röh­re, von der Joe Roberts ein­mal sag­te, er habe noch nie eine schlecht klin­gen­de 2A3-End­stu­fe gehört. Und wir unter­stel­len mal, dass Joe Roberts es nicht an den Ohren hat, son­dern durch­aus weiß, wovon er spricht. Den­noch gibt es eini­ge Ein­wän­de gegen die­se Direkt­ge­heiz­te. Die Zahl der Nach­bau­ten ist kaum noch zu über­se­hen, die guten alten Exem­pla­re der 2A3 sind ver­schwun­den oder sch…-teuer, wie die neu­en sind, weiß nie­mand so recht - auch Joe Roberts hört lie­ber die guten alten, und die Zahl der Nach­bau­ten steigt und steigt. Ent­spre­chen sie wirk­lich alle den Qua­li­täts­ge­rä­ten, von denen der gute Joe sprach?

aus: SOUND PRACTICES - Issue 15

aus: SOUND PRACTICES - Issue 15

Klang­lich gibt es eben­falls das eine oder ande­re zu sagen. Die klas­si­schen 2A3s tönen ange­nehm, mit einer Ten­denz zum War­men, einer Ten­denz, die in vie­len Anla­gen even­tu­ell vor­han­de­ne Feh­ler gnä­dig über­deckt. Die Sopra­nis­tin mutiert ein wenig zur Mez­zo­so­pra­nis­tin. Als nach­tei­lig kann emp­fun­den wer­den, dass Mil­va dann gele­gent­lich Damen­bass singt, aber so pin­ge­lig, die­sen Lap­sus in die Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen, so pin­ge­lig muss man ja nicht sein. Und - falls man eine nicht so gelun­ge­ne Anla­ge hat - was wäre gegen ein wenig Schön­fär­be­rei ein­zu­wen­den? Wenn dage­gen die eige­ne Anla­ge bereits ein gewis­ses Niveau erklom­men hat, was dann? Wenn der Wunsch nach klas­si­scher Musik, nach dif­fe­ren­ziert wie­der­ge­ge­be­ner Musik besteht, wie dann? Klas­si­sche Musik stellt For­de­run­gen an die Wie­der­ga­be. Die ers­ten wol­len von den zwei­ten Gei­gen unter­schie­den wer­den, der Sologei­ger soll vor bei­den deut­lich dif­fe­ren­ziert ste­hen, die unter­schied­li­chen Spiel­wei­sen diver­ser Solis­ten - alle­samt im Bereich Fein- und Feinst­dif­fe­ren­zie­rung gele­gen - wol­len erhört wer­den, kurz­um, es kann eigent­lich nicht genug Dif­fe­ren­zie­rung geben. Dar­über­hin­aus fei­ne und feins­te Abstu­fun­gen in der Dyna­mik, im Ton der diver­sen Instru­men­te und so wei­ter. Und die End­stu­fe soll all das lie­fern.

Und genau so soll­te eine End­stu­fe beschaf­fen sein, die das Leben nach der 2A3 ermög­licht. Schnell, dif­fe­ren­ziert, aus­ge­wo­gen, fein­sin­nig, und zu jeder Sor­te Musik auf­ge­legt. Ein Klas­si­ker eben. Ein sol­ches Pro­jekt gehen wir hier an. Es wur­de eine span­nen­de Arbeit, die uns Eini­ges abver­langt hat.

Erwartungen

An die­ser Stel­le sind bereits eini­ge End­stu­fen vor­ge­stellt wor­den. Unse­re Nei­gung, noch so eine, viel­leicht mit ande­ren Röh­ren vor­zu­stel­len, war gedämpft. Denn es geht uns nicht anders als vie­len Audio­phi­len: das­sel­be noch ein­mal, nur ein biss­chen anders - wer will das schon dau­ernd. So ent­stand, zunächst als Fra­ge im Kopf, der Gedan­ke, ob man höhe­re Leis­tung und gestei­ger­tes klang­li­ches Poten­ti­al denn über­haupt zugleich errei­chen kön­ne. Fra­gen wir den Ver­kaufs­künst­ler, dann ist das über­haupt kein The­ma und die Pro­duk­te sei­ner Fir­ma schwin­gen sich täg­lich von Höhen­flug zu Höhen­flug. Die Rea­li­tät ist frei­lich ein wenig anders. In der rau­hen Wirk­lich­keit kann sich eine gut gebau­te 2A3 seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten behaup­ten, da hat Joe Roberts schon recht.

Im wei­te­ren Nach­sin­nen wur­de deut­lich, dass bes­se­re als die hier vor­ge­stell­ten Lösun­gen nur zu errei­chen sind, wenn die klang­be­stim­men­den Bau­tei­le fest­ge­legt wer­den. Sol­che Fest­le­gung kann sich sehr rasch zu einem Kor­sett ent­wi­ckeln, in das ein Nach­bau­er sich ein­ge­pfercht vor­kommt, vor allem dann, wenn sehr spe­zi­el­le und sehr teu­re Bau­tei­le vor­ge­schrie­ben wer­den. Bereits beim Aus­gangs­über­tra­ger kann für zwei Stück leicht ein vier­stel­li­ger Betrag auf­ge­ru­fen wer­den, bei End­röh­ren wäre das glei­cher­ma­ßen mög­lich, wenn wir in die Rich­tung 2A3 oder 300B gedacht hät­ten. Mit ande­ren Wor­ten: die Suche ent­wi­ckel­te sich qua­si von selbst zu der Fra­ge, wel­che exzel­len­ten Bau­tei­le denn noch preis­güns­tig zu haben wären. Mög­li­cher­wei­se wer­den sie nicht mehr all­zu lan­ge preis­güns­tig sein, wenn die­ser Arti­kel erst ein­mal erschie­nen ist. Aber dage­gen lässt sich nichts tun, außer den Mund hal­ten, und wer den Mund hal­ten will, kann nichts mehr ver­öf­fent­li­chen. Wir ent­schie­den uns fürs Ver­öf­fent­li­chen.

Bau und Nachbau

die Ausgangsübertrager LO SE25-3 von Leszek Ogonowski

die Aus­gangs­über­tra­ger LO SE25-3 von Les­zek Ogo­now­ski

Ein kar­di­na­les Bau­teil einer Röh­renend­stu­fe ist und bleibt der Aus­gangs­über­tra­ger. Und da ist die Wahl ein­fach. Es gibt kei­nen AÜ, der in Sachen Gegen­wert fürs Geld und gleich­zei­tig in Sachen vor­züg­li­cher Aus­füh­rung einen Ogo­now­ski schla­gen könn­te. In bei­den Dimen­sio­nen setzt die­ser immer noch viel zu unbe­kann­te pol­ni­sche Zau­ber­künst­ler die Maß­stä­be. Wer ein­mal einen Schnitt­band­kern a la Ogo in der Hand gehal­ten hat, weiß Bescheid. Les­zek Ogo­now­ski fer­tigt auch Über­tra­ger nach Wunsch. Um aber eine schnel­le Ver­füg­bar­keit zu haben und um unum­gäng­li­che Auf­prei­se für Maß­ar­beit zu ver­mei­den, kam nur ein Seri­en­pro­dukt in Fra­ge. Der aus­ge­wähl­te Wickel im SM102b-Kern hat pri­mär einen Nomi­nal­wert von 3,0 kOhm, sekun­där­sei­tig bie­tet er 4 und 8 Ohm und ist damit für vie­le alte und neue Laut­spre­cher ver­wend­bar. Der gro­ße Kern könn­te erheb­lich mehr Leis­tung über­tra­gen, als wir hier erstre­ben. Und, das haben wir bit­ter an dicken Brum­mern ande­rer Her­stel­ler erfah­ren müs­sen: groß bedeu­tet nicht unbe­dingt auch gro­ßer Klang, wenn nur klei­ne Leis­tun­gen - die lei­sen Stel­len in der Musik! - über­tra­gen wer­den sol­len. Aber der Ogo bril­liert auch in die­ser schwie­ri­gen Dis­zi­plin. Davon hat­ten wir uns schon zuvor bei einem Hör­ver­gleich an einer PL82-End­stu­fe über­zeugt. Wie­wohl ein wuch­ti­ger SM102b nicht gera­de die ers­te Wahl ist, wenn nur 44mA Gleich­strom durch den Tra­fo flie­ßen - da wür­de schon ein SM74 genü­gen -, bewäl­tigt der gro­ße Ogo auch eine sol­che Auf­ga­be mit Bra­vour und sogar bes­ser als ein klei­ner und uns als gut­klin­gend bekann­ter Kon­kur­rent. Ogo­now­ski LO SE25-3 also, weil in meh­re­ren Dis­zi­pli­nen unschlag­bar gut.

Der ein­zig ver­füg­ba­re Nomi­nal­wert von 3,0 kOhm muss­te bei der Wahl der End­röh­re selbst­ver­ständ­lich berück­sich­tigt wer­den. Eine tri­odi­sier­te EL34 kommt damit gut zurecht. Dass dies eine Röh­re mit beson­de­ren Qua­li­tä­ten ist, kann und konn­te jeder­mann in Jogis Röh­ren­bu­de nach­le­sen. Unse­re eige­nen Erfah­run­gen sind eben­falls posi­tiv. Aber - das ist der Wer­muts­trop­fen - bit­te nicht mit jeder EL34! Wir spre­chen aus­drück­lich nicht von all den neue­ren Nach­fer­ti­gun­gen, son­dern nur von zwei alten Exem­pla­ren. Nume­ro eins ist die von RFT gefer­tig­te Ver­si­on, auch als RSD erhält­lich, letz­te­res war die für den Außen­han­del der ehe­ma­li­gen DDR bestimm­te Vari­an­te. Nume­ro zwei ist die von TESLA bis Anfang der 80er Jah­re gefer­tig­te Ver­si­on.

Die EL34 von RFT (RSD) - Anodenbleche

Die­se EL34 von RFT (RSD) weist gecrimp­te Anoden­ble­che mit 2x4 Löchern sowie zwei brei­ten Schlit­zen (ca. 1,75x5mm) in 12mm Abstand auf.

Anodenbleche EL34 TESLA

Die EL34 von TESLA weist mit 2x5 Punk­ten geschweiß­te Anoden­ble­che auf, die mit zwei schma­len Schlit­zen (ca. 6x1mm) in 8mm Abstand ver­se­hen sind.

zum Ver­grö­ßern ankli­cken!

Die EL34 von RFT (RSD) verfügt über ein scheibenförmiges Getter.

Die EL34 von RFT (RSD) mit schei­ben­för­mi­gem Get­ter

EL34 TESLA - Blick aufs Getter

Die EL34 von TESLA mit dop­pel­tem Ring-Get­ter

EL34 von RFT sind über einen lan­gen Zeit­raum und nicht nur an einer Pro­duk­ti­ons­stät­te gefer­tigt wor­den. Daher unter­schei­den sie sich in klei­nen Details. Es gibt sie mit Schei­ben­get­ter und mit Ring­get­ter, mit hohem Sockel­kra­gen und mit fla­chem Sockel­kra­gen (spä­te­re Aus­füh­rung).

Klei­ner Ein­schub. Bevor jetzt Anfra­gen kom­men, möch­ten wir klar­stel­len, dass wir eine RFT bzw. RSD auch ohne Auf­druck iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Nicht aber jene, von außen nicht unter­scheid­ba­re Pro­duk­ti­ons­li­nie, die wegen über­gro­ßer Kato­den­be­schich­tung fast ewig hal­ten soll - Jochen Git­tel sprach davon.

Dass es extrem lang­le­bi­ge Röh­ren tat­säch­lich gege­ben hat, nicht nur bei der EL34, und dass das kein Röh­ren­la­tein ist, das wur­de auch ander­wei­tig bezeugt. In den VAL­VO-Archi­ven zum Bei­spiel schlum­mert ein Schrei­ben der Post, damals noch Bun­des­post, die der Fir­ma VALVO eine C3m-Röh­re nach 122.424 Stun­den (sic!) Lauf­zeit zurück­sand­te, damit VALVO sich die­se Röh­ren noch ein­mal anschau­en kann. Denn die rück­ge­sen­de­te Röh­re hat­te immer noch Nenn­wer­te!

C3m - Lebensdauer

C3m - Lebens­dau­er

Das sind für den Röh­ren­freund heut­zu­ta­ge nur noch wun­der­schö­ne Träu­me - lei­der.

Und ja, wenn das HiFi-Porte­mon­naie gera­de all­zu prall sein soll­te, dann kann man in die­se End­stu­fe auch die wun­der­ba­ren alten Phi­lips mit Metall­so­ckel oder Mul­lard Xf2-Röh­ren ste­cken. Sie sind leicht zu erken­nen, es sind die begehr­tes­ten und teu­ers­ten Exem­pla­re, weil sich ihr Ruf her­um­ge­spro­chen hat. Mit Prei­sen, die als ech­te Bezie­hungs­kil­ler gel­ten müs­sen. Wir möch­ten davon kei­nes­wegs abra­ten, glau­ben aber, dass bereits mit den bei­den erst­ge­nann­ten Röh­ren, für die zum Zeit­punkt die­ser Ver­öf­fent­li­chung gele­gent­lich unter Hun­dert Euro das Pär­chen auf­ge­ru­fen wer­den, klang­li­che Qua­li­tä­ten zu erwar­ten sind, die für sich spre­chen.

Stillleben mit paper in oil-Kondensatoren (PIO) aus Beständen der ehemaligen Sowjetarmee. Vorn ein 1µF/630V-Typ

Still­le­ben mit paper in oil-Kon­den­sa­to­ren (PIO) aus Bestän­den der ehe­ma­li­gen Sowjet­ar­mee. Vorn ein 1µF/630V-Typ

Ein Bau­teil, das wir gene­rell fest­le­gen, sind die Gleich­strom blo­ckie­ren­den Kon­den­sa­to­ren in der Schal­tung. Es soll­ten Ölpa­pier­ty­pen sein, man kann sie - noch - preis­wert aus alter rus­si­scher Fer­ti­gung erhal­ten, oder von einer jener audio­phi­len Fir­men bezie­hen, die wun­der­ba­re Prei­se bie­ten und wun­der­ba­ren Klang ver­spre­chen. As you like it!

- wird fort­ge­setzt -

1 Kommentar zu GRANDE
Drei Triodenwatt für Liebhaber - #1

  • Hal­lo guten Tag,

    Ihre Ansicht, dass die­se RFT, RSD-Röh­ren eine sehr gute Qua­li­tät haben, kann ich in vol­lem Umfang bestä­ti­gen. Aller­dings wun­dern mich immer wie­der die heut­zu­ta­ge auf­ge­ru­fe­nen Prei­se für die­se Röh­re. Mit­te der 1980er Jah­re habe ich bei RFT in Ffm. 50 Stück die­ser EL 34 gekauft, der älte­re Herr damals, hat­te mir das emp­foh­len, dann bekä­me ich einen güns­ti­ge­ren Preis. Der Preis einer EL 34 betrug dem­nach unge­fähr 8,00 DM, eine EL 34 war schließ­lich nichts beson­de­res. son­dern eine sog. Brot-und But­ter­röh­re.

    Nun lagen die vie­len Röh­ren bei mir im Kel­ler, aber nach und nach habe ich sie ver­kauft, denn vie­le Musi­ker-Ver­stär­ker wer­den mit die­sen Röh­ren aus­ge­rüs­tet.

    Schö­ne Grü­ße
    R. Daab

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