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Kom­men­ta­re schal­te ich frei, nach­dem ich sie mir ange­se­hen habe. Dabei kann es zu klei­nen Ver­zö­ge­run­gen kom­men.

Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plug­in instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Soll­te ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plug­in zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bit­te per Email nach­ha­ken!

MiMü am 23.Oktober 2017:

Ein Dreher für den rookie

Der rookie bin ich und dies ist mein neuer Plattendreher ...

Der roo­kie bin ich und dies ist mein neu­er Plat­ten­dre­her …

Als in der Ade­nau­er-Ära des vori­gen Jahr­hun­derts Gebo­re­ner ist mir der Umgang mit Gerä­ten, mit­tels derer man Schall­plat­ten abspielt, kei­nes­wegs fremd. Mit ande­ren Wor­ten: ich weiß sehr wohl, wie man einen Plat­ten­spie­ler in Gang setzt. Das ist aber auch alles.

Seit ich mit erfah­re­nen und mit allen Was­sern gewa­sche­nen High-Fide­lis­ten zu tun habe, ahne ich, dass auch hin­ter der Plat­ten­spie­le­rei eine gewis­se Wis­sen­schaft steckt, deren Ter­mi­no­lo­gie mir aller­dings noch alles ande­re als geläu­fig ist. Vor allem habe ich mir wohl den lieb gewor­de­nen Begriff “Plat­ten­spie­ler” abzu­ge­wöh­nen und fort­an das Wort “Dre­her” zu benut­zen …

Seit etwa zwei Jah­ren wirkt der enge­re Kreis der­je­ni­gen, die mich bei der Opti­mie­rung mei­ner selbst­ge­bau­ten Musik­an­la­ge mit Rat und Tat unter­stüt­zen, sanft auf mich ein, ich möge mich doch end­lich mit dem Gedan­ken an den Auf­bau eines hoch­wer­ti­gen Plat­ten­dre­hers aus­ein­an­der­set­zen. Zunächst sperr­te ich mich ein biss­chen, aber im Lau­fe der Zeit gab ich mei­nen Wider­stand auf, zumal ich beim Hören der Dre­her mei­ner Freun­de merk­te: da geht auch bei mir noch was! Nach und nach wur­de ich dann mit den Leis­tun­gen mei­nes alt­ge­dien­ten Thorens TD147 unzu­frie­de­ner, obwohl des­sen Ton­arm mit einem recht guten SONUS-Sys­tem aus­ge­stat­tet ist.

Also sam­mel­ten sich hier eini­ge Zuta­ten für einen ordent­li­chen Dre­her, als da wären: ein Dual-Motor EDS 900 (Direkt­an­trieb) samt zuge­hö­ri­gem Tel­ler, dazu eine von einem Ham­bur­ger Audio­freund neu ent­wi­ckel­te Elek­tro­nik zur quarz­ge­nau­en Steue­rung des Motors. Außer­dem ein Ton­ab­neh­mer­sys­tem ADC220X mit ori­gi­na­len ellip­ti­schen Ersatz­na­deln. Last not least ein SME Serie V Ton­arm. In den Besitz die­ses excel­len­ten Ton­arms zu kom­men war letzt­lich aus­schlag­ge­bend, in Sachen Dre­her­bau end­lich aktiv zu wer­den.

Tja, wie begin­nen, wenn man sel­ber von nix eine Ahnung hat? Man fragt jeman­den, der sich damit aus­kennt. In mei­nem Fall war das mein Audio­freund Meinolf, der auf sei­ner Web­site www.ms-vint-audio.de schon eige­ne Dre­her-Kon­zep­te vor­ge­stellt hat: Eigen­bau Direkt­trieb­ler EDS 900 mit neu­er Motor­pla­ti­ne.

Meinolf legt aller­größ­ten Wert auf die fol­gen­de Anmer­kung: er will sich den Dre­her­bau für ande­re nicht zur Gewohn­heit machen! Inso­fern hab ich wohl noch mal rich­tig Glück gehabt … 🙂

Meinolfs Kon­zept des schicht­wei­sen Auf­baus aus Mul­ti­pl­ex­plat­ten und einer obe­ren Schicht aus Cori­an gefiel mir allein schon optisch von Anfang an - so etwas woll­te ich auch. Also setz­ten Meinolf und ich uns einen Tag lang hin, um die Abmes­sun­gen, Stel­lung von Tel­ler und Ton­ab­neh­mer zuein­an­der und die aus­zu­frä­sen­den Aus­schnit­te in den ein­zel­nen Mul­ti­plex­la­gen fest­zu­le­gen und in eine Frässcha­blo­ne für die Ober­frä­se zu über­tra­gen. Wir ent­schie­den uns für das fol­gen­de Prin­zip: der Ton­arm­stand wird fest mon­tiert auf einem auf der Grund­plat­te des Dre­hers fest auf­ge­bau­ten “Turm”. Die Grund­plat­te bil­den zwei Mul­ti­pl­ex­plat­ten von 15mm Stär­ke, ist also 30mm stark. Über die­ser Grund­plat­te federnd gela­gert bil­den zwei wei­te­re Mul­ti­plex­la­gen und abschlie­ßend eine 12mm star­ke Cori­an­plat­te das Motor und Tel­ler auf­neh­men­de Ober­teil des Dre­hers.

Dämpfer aus Neopren

Dämp­fer aus Neo­pren

Vier Dämp­fungs­ele­men­te aus Neo­pren tra­gen spä­ter das Dre­her-Ober­teil.

Die untere Schicht der Dreher-Grundplatte mit den vier Dämpfern.

Die unte­re Schicht der Dre­her-Grund­plat­te mit den vier Dämp­fern.

Im nächs­ten Bild sieht man die schon ver­bun­de­nen bei­den unte­ren MPX-Schich­ten, die gemein­sam das Unter­teil des Dre­hers bil­den. Der gro­ße Durch­bruch nimmt spä­ter die Pla­ti­ne der Motor-Elek­tro­nik auf.

Die komplette Grundplatte aus zwei Lagen Multiplex

Die kom­plet­te Grund­plat­te aus zwei Lagen Mul­ti­plex

Auch der Ton­arm-Turm besteht aus meh­re­ren Mul­ti­plex-Schich­ten und einer Lage Cori­an:

Die Holz- und Corianschichten des Tonarm-Turms mit der Original SME-Ausschnittschablone

Die Holz- und Cori­an­schich­ten des Ton­arm-Turms mit der Ori­gi­nal SME-Aus­schnitt­scha­blo­ne

Hier sieht man nun das geschich­te­te Ober­teil des Dre­hers, es beher­bergt den Motor und die Motor­elek­tro­nik …

Unteransicht des Dreher-Oberteils

Unter­an­sicht des Dre­her-Ober­teils

… die man hier noch mal aus der Nähe sieht:

Motor und Motor-Elektronik

Motor und Motor-Elek­tro­nik

Ober- und Unter­teil des Dre­hers sind schon “ver­hei­ra­tet”, zwei der her­vor­ra­gen­den, von mei­nem Huns­rücker Audio­freund Jür­gen gefer­tig­ten Gerä­te­fü­ße sind bereits mon­tiert:

Endmontage

End­mon­ta­ge

Das fol­gen­de Bild zeigt die Ton­arm­ba­sis auf dem starr mit der Grund­plat­te ver­bun­de­nen Ton­arm­turm. Man sieht recht schön, dass das federnd gela­ger­te Dre­her-Ober­teil rund­um einen Abstand von etwa 1,5mm zur Ton­arm­ba­sis hält:

Die Tonarmbasis

Die Ton­arm­ba­sis

Schließ­lich hier noch ein­mal das Foto vom Anfang des Bei­trags. Es sei nun auf den “Luft­spalt” zwi­schen Ober- und Unter­teil des Dre­hers hin­ge­wie­sen - er ent­steht durch die Bub­ble­mounts, die das Dre­her-Ober­teil federnd lagern.

Fertiger Dreher mit "Luftspalt" zwischen Ober- und Unterteil

Fer­ti­ger Dre­her mit “Luft­spalt” zwi­schen Ober- und Unter­teil


Revision des SME Serie V

Bei der Erst­in­be­trieb­nah­me stell­ten wir rasch fest, dass der SME einer ein­ge­hen­den Revi­si­on bedurf­te. Der Arm war schwer­gän­gig, Schmier­stel­len ver­harzt, zur Dämp­fung bestimm­tes Sili­kon­öl fand sich an Stel­len, wo es nichts zu suchen hat­te und die Innen­ver­ka­be­lung war maro­de, was sich in einem schwäch­li­chen und dazu ver­brumm­ten Signal äußer­te. Der vor 30 Jah­ren gebau­te Arm, der jah­re­lang nicht mehr benutzt wor­den war, wur­de von Meinolf behut­sam zer­legt, mit Ultra­schall gerei­nigt und die Innen­ver­ka­be­lung mit­tels super­fei­ner sei­de­n­um­spon­ne­ner Lit­ze neu her­ge­stellt - eine Hei­den­ar­beit! Danach war er so neu wie frisch aus dem Laden. Lie­ber Meinolf, dan­ke für Dei­ne unend­li­che Geduld und Hart­nä­ckig­keit!


Fazit bisher

Eine Woche höre ich nun mit dem neu­en Dre­her. Etwa 30 Stun­den wird das ADC-Sys­tem bis­her ein­ge­lau­fen sein. Schon in den ers­ten zwei, drei Stun­den waren Meinolf und ich völ­lig per­plex, wie wir den Ton­ab­neh­mer sich ein­lau­fen haben hören kön­nen. Er stei­ger­te sich kon­ti­nu­ier­lich, es war fan­tas­tisch, zuzu­hö­ren … Nun zuhau­se den Dre­her in die hei­mi­sche Anla­ge inte­griert neh­me ich mir nach­ein­an­der die gut bekann­ten und die Lieb­lings­plat­ten vor und bin erstaunt - manch­mal erschüt­tert - was die­ses Gerät mit der Musik macht. Es ent­fes­selt sie! Das Klang­bild ist neu­er­dings völ­lig “unner­vös”, in allen Lagen aus­ge­gli­chen, die Wie­der­ga­be strahlt sowas wie eine selbst­si­che­re Sou­ve­rä­ni­tät aus wie die sprich­wört­li­che sanft zufal­len­de Mer­ce­destür - es ist frap­pie­rend! Dazu eine Detail­viel­falt, die ich auf mei­nen Vinyls gar nicht ver­mu­tet hät­te …


Making of

Meinolf mit der Oberfäse

Meinolf mit der Ober­frä­se

bastlerisches Chaos in Meinolfs Fahrradschuppen

bast­le­ri­sches Cha­os in Meinolfs Fahr­rad­schup­pen

... sauberes Arbeiten ist Voraussetzung für ein gutes Ergebnis!

… sau­be­res Arbei­ten ist Vor­aus­set­zung für ein gutes Ergeb­nis!

... froh, durch Handlangern und Verrichtung niederer Tätigkeiten etwas zum Projekt beitragen zu können: der Audionist!

… froh, durch Hand­lan­gern und Ver­rich­tung nie­de­rer Tätig­kei­ten etwas zum Pro­jekt bei­tra­gen zu kön­nen: der Audion­ist!

Meinolf bei diffizilen Einstellarbeiten!

Meinolf bei dif­fi­zi­len Ein­stell­ar­bei­ten!


Credits

Ich bedan­ke mich bei mei­nen Audio-Freun­den:
Meinolf: für Anlei­tung, Ermu­ti­gung und fürs Tun der Haupt­ar­beit
Björn: für die famo­se Motor-Elek­tro­nik
Jür­gen: für die form­schö­nen und effek­ti­ven Gerä­te­fü­ße
Seg­schnei­der: für die Ver­mitt­lung des SME Serie V
Euch allen für die Exper­ti­se, die Ihr hier in einen - mei­nen - Topf gewor­fen habt!

5 Kommentare zu Ein Dreher für den rookie

  • Willy

    Hal­lo in die Run­de,

    als lang­jäh­ri­ger Freund von “höchst emp­find­lich” Musik­wie­der­ga­be­ge­rä­ten freue ich mich sehr über die­sen Bericht. Da ich auch schon von Tho­mas etwas über die vor­züg­li­chen Qua­li­tä­ten die­ses Dre­hers gehört habe. Sonus bzw. ADC Sys­te­me nebst pas­sen­dem Ton­arm habe ich schon.
    Mal schau­en ob ich die ent­spre­chen­de Hil­fe für die Umset­zung bekom­me. Die Maße für die­sen Dre­her nebst CNC Plan wären schon mal ein Anfang. 🙂
    Musi­ka­li­schen Gruß aus DO
    Wil­ly

    • MiMü

      Hal­lo Wil­ly aus Dort­mund,

      vie­len Dank für Ihr Inter­es­se an die­sem Pro­jekt. Ich schil­de­re hier das Zustan­de­kom­men mei­nes indi­vi­du­el­len Plat­ten­dre­hers. Der ist auf rein hand­werk­li­che Art - ganz ohne CNC - ent­stan­den, basie­rend auf den Erfah­run­gen mei­nes Freun­des Meinolf und unter Berück­sich­ti­gung der Erfor­der­nis­se, die uns durch Ein­satz des SME Serie V Ton­arms vor­ge­ge­ben waren. Es gab zwar eine Bau­skiz­ze im Maß­stab 1:1 - ent­stan­den unter Zuhil­fe­nah­me eines Geo­drei­ecks, eines Zir­kels und eines Mess­schie­bers - und eine dar­aus ent­wi­ckel­te Scha­blo­ne für die Ober­frä­se. Ansons­ten ist der Dre­her durch “frei­es Bas­teln” ent­stan­den. Die letzt­end­li­chen Maße sind nir­gends nie­der­ge­legt. Über­haupt ist mein Bericht auch nicht als Bau­an­lei­tung gedacht, son­dern als Denk­an­stoß.

      Inso­fern müss­ten Sie bei Ihrem Pro­jekt den Anfang schon selbst machen. Wie sag­te bereits Tho­mas A. Edi­son: “Erfin­den ist 1% Inspi­ra­ti­on und 99 % Tran­spi­ra­ti­on”. Das muss­ten auch Meinolf und ich bei die­sem Pro­jekt erfah­ren. Ich fürch­te, das wird auch Ihnen nicht erspart blei­ben …

      Ein herz­li­ches Glück­auf -
      MiMü

  • Thomas Möller-Tobiassen

    Ist es nicht wun­der­bar zu sehen, wenn Freun­de Freun­den hel­fen? Text und Bil­der habe ich genos­sen und freue mich, wenn ich nach der Reno­vie­rung meh­re­rer Zim­mer end­lich wie­der einen Platz haben wer­de, um das ‘neue’ Lauf­werk zu fer­ti­gen .…

  • Helmut Nehrig

    Hal­lo Herr Münch,

    Sie kön­nen den High - Fide­lis­ten nicht dau­er­haft wider­ste­hen, zumal der neue Dre­her nicht nur gut aus­sieht, son­dern auch alles so macht wie man es nur wün­schen kann.
    Vor­teil­haft fin­de ich, dass der Ton­arm zum Antrieb nicht ent­kop­pelt ist.
    Die Ent­kopp­lung des Ober­teils zum Unter­teil mit­tels der Bub­ble­mounts ist inter­es­sant und ich glau­be , auch effek­tiv arbei­tend.
    Die Kom­pe­tenz­trup­pe, die hier unter­stüt­zend gehol­fen hat, ist schon ein sel­ten anzu­tref­fen­des Kon­glo­me­rat aus Wis­sen, Kön­nen und Erfah­rung.
    Ihnen wün­sche ich viel Spaß mit dem Kom­pe­tenz­dre­her.

    Vie­le Grüs­se aus Thü­rin­gen

    Hel­mut

    • MiMü

      Hal­lo Herr Neh­rig,

      vie­len Dank für Ihre aner­ken­nen­den Zei­len. Ja - ich bin schon recht gut auf­ge­ho­ben in mei­ner “Kom­pe­tenz­trup­pe” - ein schö­ner Begriff übri­gens, dan­ke!

      Noch ein Hin­weis: Ton­arm und Antrieb sind ent­kop­pelt. Ers­te­rer steht auf sei­nem “Turm” mit fes­ter Anbin­dung ans Grund­brett, wäh­rend der Motor am federnd gela­ger­ten Ober­teil des Dre­hers mon­tiert ist.

      Ich will sehen, wie ich mei­nen Text in die­ser Sache prä­zi­sie­ren kann.

      Vie­le Grü­ße aus dem Osna­brü­cker Land -
      Micha­el Münch

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