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MiMü am 23.Juni 2012:

Hannes Wader zum Siebzigsten

Es war im Jahr 1977, ich wohn­te zu der Zeit not­ge­drun­gen in Göt­tin­gen. Adres­se: Zie­ten-Kaser­ne, ich gam­mel­te dort mei­nen Wehr­dienst ab. In die Göt­tin­ger Stu­den­ten­knei­pen trau­te ich mich nur sel­ten - all­zu sehr fiel man auf in der Sze­ne, wenn man rap­pel­kur­ze Haa­re hat­te. Es war ein­fach zu blöd, sich dau­ernd für etwas recht­fer­ti­gen zu sol­len, in das man ein­fach nur so rein­ge­rutscht war. Ich wäre weiß Gott lie­ber Stu­dent als “W15er” gewe­sen… Den­noch zog mich eine Knei­pe sehr an, das war der Nör­gelbuff, damals die Folk­knei­pe in Göt­tin­gen.

Eines Tages stand ich schon recht früh im Nör­gelbuff. Es war nicht viel los dort, es war wohl ein Abend ohne Live-Musik. Ich lehn­te am Tre­sen und order­te ein Bier. Jemand stell­te sich neben mich, um auch irgend­was zu bestel­len. Die Stim­me kam mir bekannt vor, des­halb sah ich mir den ande­ren an: es war Han­nes Wader. Den hat­te ich bis­her nur im Fern­se­hen gese­hen! Aber ich konn­te fast alle sei­ne Tex­te mit­sin­gen, kann­te alle sei­ne Plat­ten - er war ein Idol für mich! Jetzt wäre Gele­gen­heit gewe­sen, 1000 Fra­gen zu stel­len, sei­ne Tex­te zu loben, ihn um ein Auto­gramm zu bit­ten - was weiß ich noch… Aber ich hab’s nicht getan, habe mich nicht getraut. Dach­te, das sei dem als schweig­sam bekann­ten Wader sicher zu blöd, außer­dem war ich erst 20 Jah­re alt und noch ziem­lich unfer­tig. Was, wenn er - der Frie­dens­be­weg­te - in mir nur den jun­gen Sol­da­ten gese­hen hät­te, der nicht den Mumm hat­te, sich der Bun­des­wehr zu ver­wei­gern? Ich hat­te ein­fach nicht den Mut, die­sen Mann anzu­spre­chen…

In der Fol­ge­zeit sah ich Han­nes Wader recht häu­fig. Zur Zeit mei­nes Stu­di­ums in den spä­ten 70er und frü­hen 80er Jah­ren in Dort­mund trat er oft ganz in der Nähe auf Jugend­fes­ti­vals, Oster­mär­schen und Frie­dens­de­mos auf. Ich sah ihn über die Jah­re mehr­mals bei Auf­trit­ten in Osna­brück und Georgs­ma­ri­en­hüt­te, in den Jah­ren 2001 und 2010 erleb­te ich ihn zusam­men mit Kon­stan­tin Wecker auf der Wald­büh­ne in Klos­ter Oese­de, kei­ne zwei Kilo­me­ter von hier.

Noch immer kann ich Wader-Tex­te mit­sin­gen - beson­ders die der frü­hen, bis­si­gen Lie­der. Vor 27 Jah­ren schau­kel­te ich eine Wei­le lang jeden Abend zu “Steh´ doch auf, du armer Hund” mei­nen Erst­ge­bo­re­nen in den Schlaf. Man­che Lied­zi­ta­te sind bei uns in den fami­li­en­in­ter­nen Sprach­ge­brauch über­ge­gan­gen. Fragt uns eine/r, ob bei uns alles ok ist, ant­wor­ten wir zuwei­len mit einer Zei­le aus dem Lied “Char­ley”: “…alles wie es sein soll­te, ruhig und nor­mal!” Und sehe ich ein weib­li­ches Wesen, das - obwohl es könn­te - so gar nichts aus sich macht und über­haupt kei­ne Aus­strah­lung hat, liegt mir gleich “…eine Frau, die so aus­sieht wie ein Mann sie erwählt, dem jeg­li­cher Sinn für schö­ne Din­ge fehlt…” auf der Zun­ge, ein Text­aus­schnit aus “Auf­ge­wach­sen auf dem Lan­de”.

Han­nes Wader war in all den Jah­ren ein “gefühl­ter” Freund, obwohl wir nie ein Wort mit­ein­an­der gewech­selt haben. Viel­leicht war es ganz gut, dass ich damals im Nör­gelbuff die Klap­pe gehal­ten habe. Wäre das Gespräch irgend­wie geschei­tert, hät­te ich im Leben einen Freund weni­ger gehabt…

Es gibt ein Lied von Han­nes Wader, das ich beson­ders lie­be, es heißt “Unter­wegs nach Süden”. Ein Text­zi­tat dar­aus hat mich gele­gent­lich wie­der auf­ge­baut und ist mir des­halb sehr teu­er: “…und wenn ich erst den Namen ken­ne, bringt dies Gift mich nicht mehr um!”

You­Tube: Han­nes Wader - Unter­wegs nach Süden

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