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Kom­men­ta­re schal­te ich frei, nach­dem ich sie mir ange­se­hen habe. Dabei kann es zu klei­nen Ver­zö­ge­run­gen kom­men.

Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plug­in instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Soll­te ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plug­in zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bit­te per Email nach­ha­ken!

MiMü am 20.März 2016:

Konstruktion eines Röhrenverstärkers mit PL82 - dritter Teil: die Endröhre

Von der ersten zur zweiten Röhre

Zwei Gegen­kopp­lun­gen an der PC86 schrän­ken die erreich­ba­re Ver­stär­kung natür­lich ein. Um das mög­lichst aus­zu­glei­chen, wur­de ein Arbeits­wi­der­stand von 27 kΩ gewählt, der zu einer Ver­sor­gungs­span­nung von Ub1 = 260V führt. Das wird bei der wei­te­ren Kon­struk­ti­on zu beach­ten sein und eine sepa­ra­te Sieb­ket­te für die­se Röh­re erfor­dern. Das ist die Krö­te, die man schlu­cken muss, wenn man eine sol­che Röh­re in einer hoch­klas­si­gen Beschal­tung ver­wen­den möch­te. Ande­rer­seits ver­ur­sacht die­ser Nach­teil nur Kos­ten für eini­ge Elkos und Wider­stän­de. Das ist - erst recht für den Hörer! - unbe­deu­tend, wenn die gesam­te Aus­le­gung die­ses Schal­tungs­ele­men­tes so vie­le ande­re For­de­run­gen auf­nimmt und umsetzt.

Die Endröhre

PL82, verschiedene Hersteller - Foto & © by Michael Münch

PL82, ver­schie­de­ne Her­stel­ler - Foto & © by Micha­el Münch

Für die PL82 hat Tom Schlan­gen dan­kens­wer­ter­wei­se sehr genaue Tri­oden­kenn­li­ni­en erar­bei­tet und ver­öf­fent­licht. Der von ihm vor­ge­schla­ge­ne Arbeits­punkt von Ua = 205 Volt bei Ia = 44 mA und -Ug1 = 16 Volt wird hier auf­ge­grif­fen. In der ver­öf­fent­lich­ten Röh­ren­li­te­ra­tur wird übli­cher­wei­se ein Aus­gangs­über­tra­ger gewählt, der das maxi­ma­le Aus­schöp­fen der Leis­tung ermög­licht. Für den Lieb­ha­ber eines höchst­emp­find­li­chen Laut­spre­chers ist das frei­lich weni­ger sinn­voll, für ihn ist es bes­ser, einen Über­tra­ger mit höhe­rer Impe­danz zu wäh­len, dabei auf etwas Leis­tung zu ver­zich­ten, sich aber im Gegen­zug einen ver­rin­ger­ten Klirr­grad und eine grös­se­re Linea­ri­tät ein­zu­han­deln. Um das zu errei­chen, wur­de ein Aus­gangs­über­tra­ger mit der Über­set­zung von 7kΩ:4Ω gewählt, der abzüg­lich der Kup­fer­ver­lus­te in die­ser Schal­tung eine Leis­tung von knapp einem Watt ermög­licht.

PL82, Triodenkennlinien, Quelle: Tom Schlangen (klicken zum Vergrößern!)

PL82, Tri­oden­kenn­li­ni­en, Quel­le: Tom Schlan­gen (kli­cken zum Ver­grö­ßern!)

Ein erst­klas­si­ger Über­tra­ger ist selbst­ver­ständ­lich. Wel­cher kann das sein? Der, weil erst­klas­sig teu­er? Der mit amor­phem Kern? Der mit Schnitt­band­kern, den ich favo­ri­sie­re? Für den Ein­stei­ger wäre gut geeig­net der Typ 53.00U der Fir­ma Rein­hö­fer, mit M74 Kern aus­ge­stat­tet und noch im mode­ra­ten Preis­seg­ment lie­gend. Die­sen Typ sehe ich als Unter­gren­ze eines sinn­vol­len Auf­baus. Mit ihm kann man einen Ein­druck davon bekom­men, was die­se End­stu­fe leis­ten könn­te, selbst­ver­ständ­lich bei einer sons­ti­gen erst­klas­si­gen Anla­ge. Will man das vol­le Poten­ti­al aus­schöp­fen, ist man lei­der auf teu­re­re Aus­gangs­über­tra­ger ange­wie­sen. Aber Ach­tung! Es ist wie im wirk­li­chen Leben: nicht alles, was erst­klas­sig teu­er ist, ist auch erst­klas­sig gut! Die Über­tra­ger soll­ten bei einer Laut­spre­cher­im­pe­danz von 4 oder 5 Ohm in jedem Fal­le(!) das Über­set­zungs­ver­hält­nis 7kΩ:4Ω bei­be­hal­ten! Da die Arbeits­punk­te der Röh­ren, die Gegen­kopp­lung ins­ge­samt und eini­ges mehr auf die­ses Über­set­zungs­ver­hält­nis abge­stimmt sind, wür­de man die End­stu­fe grob ver­fäl­schen, wenn man das Über­set­zungs­ver­hält­nis nach­träg­lich abän­dern wür­de. Ein Betrieb von Laut­spre­chern mit einer Impe­danz von 8 Ohm ist mög­lich, wenn man einen Über­tra­ger mit dem Über­set­zungs­ver­hält­nis 7kΩ:8Ω ein­setzt. Der AÜ 53.00U von Rein­hö­fer bie­tet die­se Mög­lich­keit, weil er sekun­där­sei­tig auf die­sen Wert umge­klemmt wer­den kann.

Ausgangsübertrager der Fa. Reinhöfer, Typ 53.00U, 7kΩ:4Ω, Kern M74

Aus­gangs­über­tra­ger der Fa. Rein­hö­fer, Typ 53.00U, 7kΩ:4Ω, Kern M74

Über das Zusam­men­spiel von End­röh­re und Über­tra­ger ist erstaun­lich wenig geschrie­ben wor­den, und eini­ges Ver­öf­fent­lich­te ist schlicht hane­bü­chen. Das kann und soll hier nicht näher aus­ge­führt wer­den. Ein Punkt ver­dient frei­lich Beach­tung. Es ist die Fra­ge, wie­viel Kup­fer­wi­der­stand der rich­ti­ge, der geeig­nets­te Über­tra­ger haben soll­te. Der phy­si­ka­li­sche Über­tra­ger prä­sen­tiert uns eine Theo­rie ohne Kup­fer­wi­der­stand. Das erklärt uns eini­ges von dem, was ein Über­tra­ger tut, bestechend ein­fach. Es ist nur so lei­der nicht bau­bar. Aber die­ser Aus­gangs­über­tra­ger hat vie­le Anhän­ger: alle jene Kon­struk­teu­re, die einen mög­lichst gerin­gen Wick­lungs­wi­der­stand, hun­dert Ohm oder weni­ger, für sinn­voll hal­ten und in ihre Gerä­te hin­ein­kon­stru­ie­ren.

grundsätzliche Beschaltung der Endröhre

grund­sätz­li­che Beschal­tung der End­röh­re

Der tech­nisch real bau­ba­re Aus­gangs­über­tra­ger hin­ge­gen soll­te einen nicht zu gerin­gen Kup­fer­wi­der­stand haben, und ja, ein höhe­rer Wert als hun­dert Ohm ist sehr sinn­voll. Der Grund dafür ist sim­pel: eine Induk­ti­vi­tät (unser Über­tra­ger), die mit einer Kapa­zi­tät (dem letz­ten Spei­se­kon­den­sa­tor der Hoch­span­nungs­ver­sor­gung, gleich­gül­tig, wie die im ein­zel­nen beschaf­fen ist) zusam­men­ge­schal­tet wird, bil­det einen Schwing­kreis (da sie in Rei­he lie­gen, also einen Rei­hen­schwing­kreis) und der Schwing­kreis hat eine Reso­nanz. Die­se Reso­nanz steht jeder unver­fälsch­ten Signal­wie­der­ga­be im Wege. Und nur der Kup­fer­wi­der­stand der Pri­mär­wick­lung, alter­na­tiv noch ein zwi­schen Über­tra­ger und Anode ein­ge­füg­ter Wider­stand Rx, dämpft die­sen Schwing­kreis. Der Rein­hö­fer­sche Typ 53.00U hat einen Kup­fer­wi­der­stand von Rcu = 500 Ohm. Sofern ein ande­rer Über­tra­ger gewählt wird, muss(!) die­ser Wider­stand wie­der her­ge­stellt wer­den, gege­be­nen­falls durch Ein­fü­gen eines Wider­stan­des der­art, dass Rx + Rcu = 500Ω wie­der­um gege­ben ist! Das ist ele­men­tar wich­tig, wenn die kon­struk­tiv bestimm­te gute Dämp­fung des Schwing­krei­ses erhal­ten blei­ben soll. Da ein Wider­stand von 500Ω bezo­gen auf den durch ihn flie­ßen­den Gleich­strom einen Span­nungs­ab­fall von U = Rcu x Ia = 22V ver­ur­sacht, ist es auch um die kor­rek­te Anoden­span­nung zu gewähr­leis­ten not­wen­dig, die­sen Span­nungs­ab­fall selbst bei einem ande­ren Über­tra­ger bei­zu­be­hal­ten. Bei Nicht­be­ach­tung die­ses Zusam­men­hangs wür­den sich die gewähl­ten Strom- und Span­nungs­wer­te an der End­röh­re ver­schie­ben, und dann bestün­de aku­te Lebens­ge­fahr für die PL82, weil sie sehr viel mehr Gleich­strom­leis­tung nicht ver­trägt!

Ein letz­tes Wort zum Aus­gangs­über­tra­ger. Die Kern­grös­se M74 ist für die Leis­tung von einem Watt mehr als aus­rei­chend. Ein SM65 wür­de es ohne klang­li­che Ein­bus­sen eben­falls tun. So eröff­net sich die Mög­lich­keit, den Auf­preis des SM-Ker­nes ein wenig auf­zu­fan­gen. Zu einem grös­se­ren Kern zu wech­seln, spült dem Ver­käu­fer des­sel­ben mehr Geld in die Kas­se, dem Musik­hö­rer beschert es weder mehr Tief­ton noch mehr Musik­ge­nuss. Die­se unnö­ti­ge Geld­aus­ga­be soll­te man sich erspa­ren und statt­des­sen lie­ber in einen hoch­wer­ti­gen Über­tra­ger inves­tie­ren. Davon hat der Musik­hö­rer etwas, näm­lich mehr Genuss!

wird fort­ge­setzt

- Seg­schnei­der -

4 Kommentare zu Konstruktion eines Röhrenverstärkers mit PL82 - dritter Teil: die Endröhre

  • Mark Dewenter

    Hal­lo und guten Abend,

    ich lese mit gro­ßer Begeis­te­rung ihre Doku über den Bau der PL82 End­stu­fe. Es reizt mich sehr die­sen Amp zu bau­en, jedoch möch­te ich 8 Ohm Laut­spre­cher damit trei­ben. Wie ver­hält es sich mit dem Über­tra­ger? Sie schrei­ben das Ver­hält­nis muss in jedem Fall bei­be­hal­ten wer­den. Wie wür­de der Ver­stär­ker sich an 8 Ohm machen, oder haben sie vll die Schal­tung mit ande­rem Über­tra­ger und nur nicht gebaut und ver­öf­fent­licht? Ich freue mich auf ihre Ant­wort. MFG Mark Dewen­ter

    • MiMü

      Hal­lo Herr Dewen­ter,

      vie­len Dank für Ihre Zuschrift! Ich habe mir ange­se­hen, was zu Ihrer Annah­me geführt haben könn­te, die­se End­stu­fe sei über­haupt nur mit einem Über­tra­ger mit dem Über­set­zungs­ver­hält­nis von 7kΩ:4Ω zu betrei­ben und habe gefun­den, dass wir uns hier tat­säch­lich ein wenig miss­ver­ständ­lich aus­ge­drückt haben. Natür­lich sind auch 8-Öhmer für die­se End­stu­fe geeig­net, wenn man einen Über­tra­ger mit dem Über­set­zungs­ver­hält­nis von 7kΩ:8Ω ver­wen­det. Das genann­te Rein­hö­fer-Modell 53.00U bie­tet bei­de Mög­lich­kei­ten, da hier die Sekun­där­wick­lung von 4 auf 8 Ohm Impe­danz umge­klemmt wer­den kann.

      Wenn Sie sich den Text noch ein­mal anse­hen, wer­den sie fin­den, dass ich ent­spre­chen­de Ein­fü­gun­gen (kur­siv) vor­ge­nom­men habe.

      Erfolg beim Bau Ihrer End­stu­fe und viel Freu­de mit dem End­pro­dukt wünscht Ihnen
      Micha­el Münch

  • Na das ver­spricht ja ein inter­es­san­ter Früh­ling zu wer­den. Bin gespannt auf den 4. Teil und ob ihr Schalt­plan und Stück­lis­te ver­öf­fent­licht …Wür­de mich sehr freu­en.
    LG Mat­thi­as

    • MiMü

      Hal­lo Mat­thi­as,

      dan­ke für Ihr freund­li­ches Inter­es­se an die­sen Sei­ten und spe­zi­ell an Seg­schnei­ders PL82-Auf­satz! So viel kann ich ver­ra­ten: im abschlie­ßen­den vier­ten Teil kommt alles zusam­men, was zusam­men gehört - sowohl die Gesamt­schal­tung als auch die Dimen­sio­nie­rung sämt­li­cher Kom­po­nen­ten sol­len aus­führ­lich beschrie­ben wer­den.

      Dar­an wird sich ein Bei­trag über den prak­ti­schen Auf­bau mei­ner nach Seg­schnei­ders Kon­zept auf­ge­bau­ten End­stu­fe anschlie­ßen. Der­zeit bin ich mit dem Foto­gra­fie­ren beschäf­tigt, dafür muss ich alles noch mal aus­ein­an­der­neh­men und fürs Foto wie­der zusam­men­set­zen. Das wird sich sicher bis in den April hin­zie­hen.

      Stay tun­ed!
      LG - Micha­el

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