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MiMü am 24.Februar 2017:

Eine Platte fürs tube rolling

Ich höre meine Vinylscheiben über eine röhrenbestückte DIY-Phonovorstufe – im folgenden RIAA genannt. Ein gütiges Geschick spielte mir ein sehr schönes Schaltungsdesign in die Hände (danke, Segschneider!). Es handelt sich um eine passive RIAA, d.h., die Entzerrung des vom Tonabnehmer kommenden Signals erfolgt nicht über eine frequenzabhängige Gegenkopplung, sondern selbiges durchläuft geradeaus ein passives Filter und wird dort „geradegebogen“.

Phonovorstufe mit E88CC

Phonovorstufe mit E88CC in der Testphase

Ich entwarf eine Platinenversion und kann berichten: die läuft seit nunmehr zwei Jahren sehr fein! Ohne auf das Schaltungsdesign näher eingehen zu wollen, sei so viel gesagt: in der RIAA werkelt pro Kanal je eine Doppeltriode E88CC. Und die Dinger sind – ich sag’s jetzt einfach mal so, wie’s ist – scheißenteuer! Besonders, wenn TELEFUNKEN draufsteht. Es gilt also, Alternativen zu probieren … Was ich da so probiere und was dabei herauskommt, soll aber hier gar nicht das Thema sein.

Für erfolgreiches tube rolling braucht man ja gutes Anschauungs Hörmaterial. Denn messen kann man hier gar nix, man muss vielmehr seinen eigenen Ohren vertrauen. Welche Platte also auflegen, wenn man verschiedene E88CC probieren will? Oft hantiert man da mit mehreren Schallplatten: die eine bietet abgründige Tiefen, eine andere führt einen in höchste Höhen und wieder eine andere ist räumlich wie nur was! Aber selten kommen diese Eigenschaften in einer Platte zusammen.

Ich denke, ich kann hier die eierlegende Wollmilchsau präsentieren:

Paolo Conte – Concerti (Live-DoLP 1985)

Paolo Conte - Concerti (Live-DoLP 1985)

Halbvergessen und ewig nicht gespielt kommt diese Aufnahme aus meiner eigenen Sammlung erst wieder zu Ehren, als ich durch Paolo Contes 80.Geburtstag am 06.Januar diesen Jahres mit der Nase drauf gestoßen werde. Ich denke, ich schau mal, was ich von ihm da habe und finde diese Scheibe, zuletzt gehört auf einer mittelmäßigen 80er-Jahre-Anlage mit Transistoren. Aber kaum aufgelegt, bin ich gefangen. Noch kein Ton erklungen, schon brennt die Luft, eine irre Spannung im Raum, ein paar Kontrabass- und Saxophonklänge – und dann geht’s los: Applaus, der geniale Sprechsänger und Kazoo-Virtuose Conte tritt auf und schon bin ich mittendrin: die Musik erobert meinen kompletten Hörraum, scheint von überall her zu kommen – die Illusion ist perfekt!

Heutige „Live“-Aufnahmen werden vom Mischpult abgenommen und später mit overdubs versehen. Nur in die Pausen zwischen den Stücken wird Publikum dazugemischt. Das ist hier erfrischend anders: das Publikum bleibt jederzeit präsent – klasse!

Ich lasse mich da allzu gern mitreißen und dann geht’s mir auf: an dieser Platte müssen sich meine etlichen E88CC-Pärchen verschiedener Herkunft messen! Und was soll ich sagen: das führt zu sehr verschiedenen Ergebnissen. Welchem Fabrikat ich letztlich den Vorzug gebe, bleibt aber mein süßes Geheimnis …

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