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Warum aus dem Radion­ist der Audio­nist wurde und andere Fra­gen: Ant­wor­ten gibt es hier! … mehr

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Kom­men­tare schalte ich frei, nach­dem ich sie mir ange­se­hen habe. Dabei kann es zu klei­nen Ver­zö­ge­run­gen kom­men.

Wegen ver­stärk­ten Auf­kom­mens von Kom­men­tar-Spam habe ich ein Plugin instal­liert, das sol­che Stö­run­gen unter­bin­den soll. Sollte ein berech­tig­ter Kom­men­tar nicht eini­ger­ma­ßen zeit­nah von mir frei­ge­schal­tet wer­den, ist er viel­leicht dem Plugin zum Opfer gefal­len. In die­sem Fall bitte per Email nach­ha­ken!

Die 10 neuesten Beiträge

MiMü am 16.August 2017:

silent key: Wim, DL3XH

Wim DL3XH an einer seiner ersten Funkstationen. Das linke Foto ist datiert mit 1950.

Wim DL3XH an einer sei­ner ers­ten Funk­sta­tio­nen. Das linke Foto ist datiert auf 1950.

Anfang Juni die­sen Jah­res schrieb er mir in einer Email:

Ich mache immer noch Ama­teur­funk, fast nur noch CW und DX. Trotz mei­ner 88 Jahre geht Tempo 120 noch fb, CW hält den Kopf fle­xi­bel, hi …

Am 4.Juli starb 88jäh­rig mein Onkel Wil­helm Josef Münch – „Wim“ – so nann­ten ihn seine Funk­ama­teur-Freunde. Nach dem Krieg gehörte er zu den ers­ten Funk­be­geis­ter­ten, die zunächst „im rechts­freien Raum“, ab März 1949 nach Ver­ab­schie­dung des Ama­teur­funk­ge­set­zes durch den Wirt­schafts­rat der Bizone legal mit selbst­ge­bau­ten Gerä­ten in den Äther gin­gen. „Delta Lima Three X-ray Hotel – DL3XH“ – die­ses Ruf­zei­chen hat seit Jahr­zehn­ten einen guten Klang unter Funk­ama­teu­ren rund um den Erd­ball. Nun bleibt Wims Mor­se­taste für immer stumm – „silent key“ nen­nen das die Fun­ker.

Wims letzte Eintragungen in seinem Stations-Logbuch am 20. Juni 2017

Wims letzte Ein­tra­gun­gen in sei­nem Sta­ti­ons-Log­buch am 20. Juni 2017

Wim war immer mein leuch­ten­des Vor­bild. Solange ich den­ken kann, zog es mich in seine Funk­bude. Die Atmo­sphäre, die ent­steht, wenn sich aus dem Emp­fän­ger­rau­schen zunächst kaum ver­ständ­li­che Wort­fet­zen lösen, fas­zi­niert mich noch heute, nach­dem ich selbst die Fun­ke­rei längst auf­ge­ge­ben habe. Der Wunsch, mit einem von Grund auf selbst­ge­bau­ten Gerät mit Men­schen auf der gan­zen Welt kom­mu­ni­zie­ren zu kön­nen, spornte mich vor vie­len Jah­ren an, Wim nach­zu­ei­fern und mir das nötige Wis­sen dazu anzu­eig­nen.

Mein Onkel war ein begna­de­ter Bast­ler, ein groß­ar­ti­ger Kon­struk­teur und dabei ein ver­schmitz­ter Impro­vi­sa­tor. Es gab kaum etwas, was er nicht sei­nem Hobby dienst­bar machen konnte. Er sam­melte jedes Stück­chen Blech – ob es Kel­ler­fens­ter­git­ter waren oder Kakao­dosen aus Weiß­blech -, aus Tuben­ver­schlüs­sen wur­den Dreh­knöpfe. Seine selbst­ge­kan­te­ten Blech­patch­work-Gehäuse beka­men dadurch einen ganz eige­nen, unver­wech­sel­ba­ren look. Grauer Ham­mer­schlag-Lack als Finish – das war Wims Mar­ken­zei­chen. Für ihn stand dabei immer die tadel­lose Funk­tion sei­ner Geräte im Vor­der­grund.

Antennenanpassgerät für das 160m-Band, Aufbau DL3XH

Anten­nen­an­pass­ge­rät für das 160m-Band, Auf­bau DL3XH

Dem­nächst wird Wims Funk­bude auf­ge­löst, die Gerät­schaf­ten wer­den weg­ge­ge­ben, Erin­ne­rungs­stü­cke gesi­chert. Für mich ein Grund, noch mal hin­zu­fah­ren und ein paar Fotos zu machen, solange noch alles so ist, wie Wim es ver­las­sen hat.

Ges­tern war ich dort. Wie immer sah ich noch nicht das Haus, da konnte ich schon den Anten­nen­mas­ten aus­ma­chen, der dem­nächst abge­baut wird.

Antennenmast bei DL3XH

Anten­nen­mast bei DL3XH

Mein Cou­sin, der sich um den Nach­lass küm­mert, emp­fing mich. Nach Kaf­fee und Kuchen mit der Tante ging’s zur Funk­bude. Alles ist so ver­traut seit vie­len Jah­ren, aber durch Wims Abwe­sen­heit doch wie­der ganz anders.

Wims "Funkbude"

Wims „Funk­bude“

Ich schal­tete die Funk­ge­räte ein. Sie zeig­ten die zuletzt benutz­ten Fre­quen­zen an.

7,1 MHz - 40m-Band - hier führte Wim sein letztes Telegrafie-QSO

7,1 MHz – 40m-Band – hier führte Wim sein letz­tes Tele­gra­fie-QSO

Den Sprech­funk hatte Wim schon längst auf­ge­ge­ben. Aller­dings war er bis zuletzt ein flot­ter Tele­gra­fist. Seine auto­ma­ti­schen Mor­se­tas­ten baute er selbst.

Eine der vielen elektronischen Morsetasten, die Wim im Laufe der Jahrzehnte gebaut hat

Eine der vie­len elek­tro­ni­schen Mor­se­tas­ten, die Wim im Laufe der Jahr­zehnte gebaut hat

Einige Impressionen:

Was musste ich bei meinen Eltern kämpfen, als 10jähriger einen Lötkolben zu bekommen. Ich glaube, Wim hat damals ein gutes Wort für mich eingelegt ...

Was musste ich bei mei­nen Eltern kämp­fen, als 10jäh­ri­ger einen Löt­kol­ben zu bekom­men. Ich glaube, Wim hat damals ein gutes Wort für mich ein­ge­legt …

Wim auf einem Foto, das ich 1980 von ihm gemacht habe

Wim auf einem Foto, das ich 1980 von ihm gemacht habe

Eine der vielen Auszeichnungen, die Wim bekommen hat

Eine der vie­len Aus­zeich­nun­gen, die Wim bekom­men hat

Stationsuhr

Sta­ti­ons­uhr

Die Station von Willi, DL3XH

Die Sta­tion von Willi, DL3XH

Bei mei­nem Besuch wur­den viele Erin­ne­run­gen wach an einen beson­de­ren Men­schen, den ich sehr geschätzt habe.

Cheerio, lieber Wim!

 


 

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