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MiMü am 27.November 2017:

Werkbuch für Jungen – eine Fundgrube des Analogen

Erst­mals ver­öf­fent­licht im Vor­gän­ger-Blog “der Radion­ist” am 15.02.2012

aus: Werkbuch für Jungen © Otto Maier Verlag Ravensburg 1965

aus: Werk­buch für Jun­gen © Otto Mai­er Ver­lag Ravens­burg 1965

Ich bin ein Kind der 50er-/60er-Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts. Alters­ge­nos­sen wer­den es bestä­ti­gen kön­nen: damals wur­de noch viel selbst gemacht. Eine frü­he Erin­ne­rung: ich sit­ze mit mei­nem Vater am Küchen­tisch und er han­tiert mit der Laub­sä­ge. Was wur­de damals nicht alles aus­ge­sägt, danach glatt­ge­schmir­gelt, bunt ange­malt und lackiert: ich erin­ne­re mich an bun­te Schlüs­sel­bret­ter mit Zwer­gen­mo­ti­ven und so ein Zeugs. Dabei war mein Vater hand­werk­lich bes­ten­falls so mit­tel­be­gabt, was ihn aber auch nicht davon abhielt, gemein­sam mit einem Arbeits­kol­le­gen (Beam­ter so wie er) unter Zuhil­fe­nah­me von ledig­lich Ham­mer, Nägeln, Schrau­ben­zie­her, Laub­sä­ge und Kar­tof­fel-Schäl­mes­ser eine Weih­nachts­krip­pe zu zau­bern, die mei­ne inzwi­schen ver­wit­we­te Mut­ter nach mehr als 40 Jah­ren noch immer hütet wie ihren Aug­ap­fel.

Wir Jungs bau­ten damals unse­re Dra­chen selbst. Jeder von uns wuss­te, wie das ging. Wel­cher Laden führt aber heu­te noch Dra­chen­pa­pier – und wer weiß schon noch, dass man Dra­chen am bes­ten mit Kar­tof­fel­kleis­ter klebt?

mein Exemplar von 1966 - schon arg ramponiert, um nicht zu sagen: verbastelt...

mein Exem­plar von 1966 - schon arg ram­po­niert, um nicht zu sagen: ver­bas­telt…

Ent­schei­dend für vie­le Din­ge, die ich im Leben ange­fan­gen habe, war ein Buch­ge­schenk aus dem Jahr 1966. Wahr­schein­lich bekam ich es zur Erst­kom­mu­ni­on, mein ersehn­tes Exem­plar des “Werk­buch für Jun­gen” von Rudolf Woll­mann. Die­ses Buch erschloss mir bald Tech­nik und Natur­wis­sen­schaf­ten.

Das Buch ist toll auf­ge­macht: es beginnt mit ein­fachs­ten Bas­te­lei­en wie Papier­flie­gern oder Wei­den­f­lö­ten. Hand aufs Herz: wer kann heu­te noch eine Wei­den­f­lö­te schnit­zen? (Ich kann­te nur einen, der das konn­te – das war mein Opa müt­ter­li­cher­seits.)

Gran­di­os auch der Reck­tur­ner – ein schö­nes Bei­spiel für die lie­be­vol­le Bebil­de­rung des Buchs:

aus: Werkbuch für Jungen © Otto Maier Verlag Ravensburg 1965

aus: Werk­buch für Jun­gen © Otto Mai­er Ver­lag Ravens­burg 1965

Wei­ter geht’s mit Model­len aus der Mecha­nik (Dampf­ma­schi­ne!) und Optik (Kalei­do­skop, Came­ra Obscu­ra) über die Ein­rich­tung von Aqua­ri­en und Ter­ra­ri­en bis hin zu Gerä­ten aus Elek­tro- und Radio­tech­nik. Schließ­lich gibt’s dann noch Aus­füh­run­gen zu den The­men Modell­bahn­bau, Flug- und Schiffs­mo­dell­bau sowie grund­le­gen­de Kapi­tel zu hand­werk­li­chen Basis­tech­ni­ken.

aus: Werkbuch für Jungen © Otto Maier Verlag Ravensburg 1965

aus: Werk­buch für Jun­gen © Otto Mai­er Ver­lag Ravens­burg 1965

End­lich im Besitz des Werk­buchs wur­de mir schnell klar: mit den paar alten, stump­fen Werk­zeu­gen, die sich im Haus­halt mei­ner Eltern im Lau­fe der Jah­re ange­sam­melt hat­ten, war kein Staat zu machen. Da muss­te unbe­dingt was bes­se­res her. Und ein ganz drin­gen­der Wunsch wur­de gera­de­zu zur fixen Idee: ich woll­te einen Löt­kol­ben. Natür­lich woll­ten mei­ne Eltern kei­nen Löt­kol­ben, denn beson­ders mei­ne Mut­ter hat­te Visio­nen von Tisch­plat­ten mit Brand­lö­chern… Es dau­er­te aber nicht lan­ge, da hat­te ich so ein unver­zicht­ba­res Ding. Damit begann eine lan­ge Bast­ler­kar­rie­re, die heu­te noch längst nicht abge­schlos­sen ist!

Das Werk­buch für Jun­gen ist sicher ein Aus­lö­ser für mich gewe­sen, mich mit Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik zu beschäf­ti­gen – ein Blick hin­ein löst nost­al­gi­sche Gefüh­le aus.

Nach­trag: Ich besit­ze mitt­ler­wei­le eine wei­te­re Aus­ga­be des bespro­che­nen Buchs, und zwar aus der 10. Auf­la­ge von 1953. Außer­dem erin­ne­re ich mich dar­an, dass ich als viel­leicht Zehn­jäh­ri­ger in der Stadt­bi­blio­thek in Güters­loh noch älte­re Aus­ga­ben des Werks aus­lei­hen konn­te. In denen fan­den sich spä­ter weg­ge­las­se­ne Bau­be­schrei­bun­gen zu Influ­enz­ma­schi­nen und Fun­ken­in­duk­to­ren. Nach sol­chen Aus­ga­ben suche ich nach wie vor.

Über den Autor Rudolf Woll­mann schweigt sich das Inter­net aus.

aus: Werkbuch für Jungen © Otto Maier Verlag Ravensburg 1965

aus: Werk­buch für Jun­gen © Otto Mai­er Ver­lag Ravens­burg 1965

1 Kommentar zu Werkbuch für Jungen – eine Fundgrube des Analogen

  • Guten Mor­gen lie­ber Micha­el,
    auch ich bin von 1959. Und auch hier hat ein Buch dafür gesorgt, dass der Lese­stoff Zünd­stoff für mei­ne lebens­lan­ge Neu­gier wur­de: Leben­di­ges Welt­all von Heinz Haber. Gera­de neu­lich hab ich noch eine neue Tele­skop­steue­rung zusam­men­ge­lö­tet … lie­be Grü­ße Mat­thi­as

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