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Warum aus dem Radion­ist der Audion­ist wurde und andere Fra­gen: Ant­wor­ten gibt es hier! … mehr

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MiMü am 13.Juli 2017:

Altec 604-8H-III vs. Altec Santana Mk.1

Hörtreff in Dortmund

Ver­gan­ge­nen Sams­tag ging’s zum Audio­tref­fen zu Meinolf nach Dort­mund. Wie er auf sei­ner Web­site schil­dert, hat er einem Paar Altec 604-8H-III wun­der­schöne Bass­re­flex-Gehäuse aus Mul­ti­plex gebaut und betreibt glück­lich die von ihm restau­rier­ten V69a-Mono­blocks daran. Wir ande­ren – Björn, Jür­gen, Seg­schnei­der und ich – waren natür­lich gespannt wie die Flit­ze­bo­gen, wie sich diese Kombi prä­sen­tie­ren würde.

Um noch eins drauf­zu­set­zen – das ist nicht qua­li­ta­tiv gemeint – brachte ich zum Hör­ver­gleich ein Paar Altec Santana Mk.1 mit, das ich zu dem Zeit­punkt dar­auf­hin tes­tete, ob ich sie dem Vor­be­sit­zer, der sie mir für die­sen Anlass aus­ge­lie­hen hatte, abkau­fen wollte. Ich erhoffte mir Ent­schei­dungs­hilfe.

Die Santa­nas sind unschein­bare, fast wür­fel­för­mige Kis­ten, haben’s aber schon gewichts­mä­ßig faust­dick hin­ter den Ohren. Da ich kör­per­lich gese­hen eher der Typ „schlap­per Hänf­ling“ bin, hatte ich vor­sorg­lich ein Trans­port­wä­gel­chen mit­ge­bracht und Meinolf stellte eine Sack­karre bereit. Haben wir aber bei­des nicht gebraucht: Björn schnappte sich wort­los die Din­ger und trug eins nach dem ande­ren – als wär’s nix – von der Straße rund ums Haus und über die Ter­ras­sen­tür ins Wohn­zim­mer. Wozu Muck­i­bude alles gut ist …

... einträchtig nebeneinander: die beiden Altec-Schwestern

… ein­träch­tig neben­ein­an­der: die bei­den Altec-Schwes­tern

Die bei­den 38er-Chas­sis sind sich recht ähn­lich: der Konus-Laut­spre­cher Typ 420A in der Santana (siehe oben links) wirkt wie der Grund­auf­bau der 604er, die anstelle des inne­ren Konus ein Hoch­ton­horn auf­wei­sen, also Duplex-Laut­spre­cher sind. Die Santana hin­ge­gen hat neben dem gro­ßen AlNiCo-Sys­tem einen sepa­ra­ten Hoch­tö­ner – über einen Kon­den­sa­tor ange­kop­pelt, ähn­lich wie bei SABA-Celli und ver­wand­ten Kon­struk­tio­nen.

der Testaufbau

Zum Tes­ten stell­ten wir die Santa­nas auf Holz­käs­ten, um die Hoch­tö­ner auf Ohr­höhe der Zuhö­rer zu brin­gen.

Hier nun unsere Eindrücke

Ich bat die ande­ren Jungs, mir ihre Ein­schät­zung unse­res klei­nen Ver­gleichs-Hörens in ein paar Zei­len zu schil­dern. Mitt­ler­weile tru­del­ten unab­hän­gig von­ein­an­der die ent­spre­chen­den Emails ein

Seg­schnei­der:

Es tut gut, gele­gent­lich die gewohn­ten Tram­pel­pfade zu ver­las­sen und Ande­res zu erpro­ben. Dies­mal waren es große Laut­spre­cher der Ver­gan­gen­heit. Und groß meint hier sowohl die phy­si­sche Größe, es waren 38er, als auch die Größe des guten Rufes: beide Teile waren von Altec. Ein­mal die 604er aus dem Pro­fi­seg­ment, in einem ent­spre­chend gro­ßen, vor­züg­lich gebau­ten Mul­ti­plex­ge­häuse mit Reso­nanz­öff­nung, und dann die Santana in der ers­ten Ver­sion, noch im ori­gi­na­len Gehäuse. Bei­des ordent­li­che Trüm­mer, und im Falle Santana müs­sen sie ange­ho­ben wer­den, denn direkt auf der Erde ste­hen sie ein­deu­tig zu tief.

Leis­tung wird eben­falls benö­tigt, mit einem Watt kommt kei­ner der bei­den Laut­spre­cher aus. Aber beide kom­men – nicht wei­ter ver­wun­der­lich, da aus der Röh­ren­ära stam­mend – mit Röh­renend­stu­fen der bes­se­ren Sorte gut zurecht. In die­sem Falle lie­fen sie an einem Spit­zen­pro­dukt, einer restau­rier­ten V69, die im Bedarfs­falle über 20 Watt locker gemacht hätte. Das wurde frei­lich nicht benö­tigt, es sei denn, man wäre lei­den­schaft­li­cher Laut­hö­rer. Dann aller­dings wer­den fried­li­che Nach­barn gebraucht, denn mit bei­den Gerä­ten kann die Nach­bar­schaft mit­be­schallt wer­den.

Prin­zi­pi­ell ste­hen sich die bei­den Altecs nahe, das Haupt­chas­sis, ein enor­mer Bro­cken, ist nahezu iden­tisch. Unten­rum kann es Druck auf­bauen, der in einem klei­ne­ren Raum bereits Pro­bleme ver­ur­sacht. Dies sind Gerät­schaf­ten für große Räume und grö­ßere Hör­ab­stände. Die 604er sind dies­be­züg­lich etwas unkri­ti­scher, sie sind eine Punkt­schall­quelle und auch im Nah­be­reich sind ihre guten Eigen­schaf­ten zu spü­ren. Die Santa­nas soll­ten soweit vom Hörer enfernt sein, dass sich die bei­den Chas­sis akus­tisch inein­an­der blen­den. Dann all­ler­dings har­mo­nie­ren sie sehr gut, was kein Wun­der ist, denn hier arbei­ten zwei Konu­schas­sis klas­si­scher Bau­weise ohne grö­ßere Wei­chen­kon­struk­tion Hand in Hand.

Beide Laut­spre­cher lie­fern eine gute Stimm­wie­der­gabe. Man darf aber fra­gen, ob das ihre größte Tugend ist. Wohl eher nicht, aber das ist meine ganz pri­vate Mei­nung. Bei Laut­stärke unli­mi­ted lau­fen sie zu gro­ßer Form auf. Und ich wäre neu­gie­rig, ob die klei­ne­ren Dif­fe­ren­zen nicht zual­ler­erst auf die unter­schied­li­chen Gehäuse zurück­zu­füh­ren sind. Die Santa­nas im geschlos­se­nen, wür­fel­för­mi­gen Kas­ten lie­fern unten­rum ech­ten Thea­ter­don­ner. Die 604er zei­gen einen etwas – wir reden von Nuan­cen! – kla­re­ren und kon­tu­rier­te­ren Tief­ton, aber sie hat­ten auch ein Reso­nanz­ge­häuse aus Mul­ti­plex zur Ver­fü­gung. Ich würde beide Geräte – nach einem ent­spre­chen­den Umbau, selbst­ver­ständ­lich – gerne in ver­gleich­ba­ren Gehäu­sen hören. Und ja, der Lieb­ha­ber „gro­ßer“ Musik kommt mit bei­den Gerä­ten voll auf seine Kos­ten: Rock, Pop, die volle Bühne, große Orches­ter oder Oper – da geht die Sau durch den Zaun. Unbe­dingt.


unser Gastgeber Meinolf

unser Gast­ge­ber Meinolf

Meinolf:

Breit­bän­der mit Horn gegen Breit­bän­der mit klas­si­schen Hoch­tö­nern – ein fai­rer Ver­gleich?

So schaut es aus, wenn Altec 604-8H-III gegen Altec Santana Mk1 antre­ten:

Hin­ter einem AMC Vor­ver­stär­ker und einer V69a Stu­dio­end­stufe müs­sen sie zei­gen, was in ihnen steckt. Die eine als Bass­re­flex­box, die andere als geschlos­se­nes Sys­tem mit reich­lich Dämm­ma­te­rial (Santana).

Als Erbauer der 604er Box schluckte ich erst mal, als die Santana die ers­ten Töne von sich gab. Ein ernst­zu­neh­men­der Kon­kur­rent, das war mein ers­ter Ein­druck. Druck­vol­ler Bass, sehr schöne Räum­lich­keit, was will das HiFi Herz mehr?

Auf den zwei­ten Blick (oder das zweite Ohr) dann aber doch etwas Unter­schied­lich­keit: die 604er spielt im Mit­tel-Tief­ton­be­reich freier, dif­fe­ren­zier­ter, ehr­li­cher. Der Bass kommt tro­cke­ner, schnel­ler und „stram­mer“. Auch die Bühne gewinnt ein biss­chen mehr an Tiefe und Breite, Stim­men sind eine Spur authen­ti­scher.

Aber: man/frau muss ja auch Preis und Auf­wand in die Waag­schale wer­fen: und da ist die Santana kla­rer Sie­ger!!

Was wir nicht getes­tet haben, wie sich der End­ver­stär­ker auf das Ver­hal­ten der Santana/604 aus­wirkt.


Jürgen beim konzentrierten Hören

Jür­gen beim kon­zen­trier­ten Hören

Jür­gen:

Meinolfs 604er Altec:
ich hatte diese Ver­sion ja schon ein­mal bei Björn gehört, aber mich damals nicht so rich­tig ein­ge­las­sen, bzw. auf­ge­nom­men. Jetzt bei Meinolf war die Vor­stel­lung von Anfang an beein­dru­ckend, die weite Bühne, die volu­mi­nöse, satte voll­mun­dige Wie­der­gabe, selbst bei klei­ner Laut­stärke, da war alles da. Stim­men stan­den frei im Raum (Paolo Conte), das war schon eine Haus­num­mer!

Altec Lan­sing Santana:
die ers­ten Klänge, wow, das ist ja wie bei der 604, nach­dem dann die Hoch­tö­ner mit­spiel­ten (…) kam doch noch der volle Genuss. Doch anders als die 604er, beim Bass ein wenig anders/weniger (geschlos­se­nes Gehäuse), den­noch volu­mi­nöse, voll­mun­dige Wie­der­gabe, eben­falls breite Bühne, sehr schöne Stimm­wie­der­gabe, Abbil­dung, (Homeless, Paul Simon/Graceland), Diana Krall, Ruth B. – letzt­end­lich kam hier auch das „Haben­wol­len-Gefühl“ auf.


... hier legt Björn gerade mit sichtlicher Freude den gewaltigen AlNiCo-Magneten des 420A einer Santana frei ...

… hier legt Björn gerade mit sicht­li­cher Freude den gewal­ti­gen AlNiCo-Magne­ten des 420A einer Santana frei …

Björn aus HH:

Die Altec-Santana fas­zi­niert mit einer tol­len Büh­nen­ab­bil­dung – das Musik­ge­sche­hen nicht ganz so prä­zise sezie­rend, wie der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­gene Altec-604, dafür aber leicht schön­fär­be­risch und char­mant. Mich fas­zi­nierte beson­ders der Grundton/Bassbereich – wie kann man aus die­sem (ver­gleichs­weise klei­nen) Gehäuse soviel Volu­men her­zau­bern? Den Hoch­tö­ner braucht man nur, wenn die Box nicht auf den Hör­platz aus­ge­rich­tet ist, ansons­ten ver­rich­tet der 15-Zoll-Biflex-Breit­bän­der seine Arbeit bis in den Hoch­ton­be­reich her­vor­ra­gend.

Fazit: unbe­dingt emp­feh­lens­wert – wollte man etwas Ver­gleich­ba­res aus aktu­el­lem Markt-Ange­bot erste­hen, müsste man ein Viel­fa­ches an Geld inves­tie­ren.


der Audionist im grauen Kittel

Im Vor­feld unse­res Tref­fens wurde die­ser graue Kit­tel zum run­ning gag. Ich behaup­tete, den zöge ich immer dann an, wenn meine Heim­lei­te­rin – so bezeichne ich zuwei­len scherz­haft meine Liebste – mir klei­nere haus­meis­ter­li­che Ver­rich­tun­gen auf­trägt. Prompt kon­terte Seg­schnei­der, das glaube er erst, wenn er mich im grauen Kit­tel aus dem Auto stei­gen sähe … – bit­te­schön, kann er haben :) —

… und ich selbst,

ich hörte Meinolfs Kom­bi­na­tion V69a/Altec 604-8H-III zum ers­ten Mal und war – wie sollte es anders sein – begeis­tert von der Wie­der­gabe. Die Kette stellte das Musik­ge­sche­hen mit höchs­ter Prä­zi­sion in den Raum und ver­zich­tete dabei auf jeg­li­che klang­li­che Extra­va­gan­zen. Das erlaubte es mir als Hörer, der Musik ganz los­ge­löst von jeg­li­chem Gedan­ken an „Anlage“ zu fol­gen. Fas­zi­nie­rend!

Dann wurde es noch mal span­nend: wir klemm­ten statt der 604er die Santa­nas an. Als die Musik – Paso Doble von Paolo Conte – aber­mals begann, gin­gen ringsum schlag­ar­tig die Augen­brauen hoch. Jeder hatte erwar­tet, dass nun nach gutem Wein eher Durch­schnitt­li­ches aus­ge­schenkt würde. Weit gefehlt! Aller­dings: ein biss­chen arm an Glanz in den Höhen war’s viel­leicht, was wir da hör­ten … und wirk­lich: Björn kam schließ­lich drauf, dass die Hoch­tö­ner kei­nen Mucks von sich gaben! Was nun? Wir beschlos­sen, der Sache auf den Grund zu gehen und schraub­ten eine der Kis­ten auf. Und siehe da: der Hoch­tö­ner war absicht­lich abge­klemmt und das Kabel­ende iso­liert wor­den. Diese Maß­nahme eines Vor­be­sit­zers mach­ten wir rasch rück­gän­gig, auch an der zwei­ten Box.

Test, die zweite! Was jetzt kam, ver­setzte uns noch­mals in Erstau­nen. Dass die Unter­schiede in der Wie­der­gabe im Ver­gleich zu den 604ern in ihren Bass­re­flex­bo­xen nur so gering sein wür­den, hatte kei­ner von uns erwar­tet. Allen­falls leichte Ein­bu­ßen in der Prä­zi­sion ins­ge­samt und bei der Dif­fe­ren­zie­rung in den ganz tie­fen Lagen waren zu hören – das ist aber Meckern auf ziem­lich hohem Niveau. Die Freunde rie­ten mir uni­sono zum Kauf!

Warum klemmt jemand die Twee­ter ab? Dafür mag es eine ganz ein­fa­che Erklä­rung geben: da hat einer sepa­rate Hoch­tö­ner – viel­leicht ein Horn­sys­tem – oben auf die Santa­nas gestellt und des­halb die ori­gi­na­len Zwit­scher­linge tot­ge­legt.

„Mein“ Vor­be­sit­zer, dem ich die Alt­exe nun abge­kauft habe, war’s aller­dings nicht, was zum einen bedeu­tet, dass er selbst die Santa­nas jah­re­lang ohne Hoch­tö­ner gehört hat, ohne es zu mer­ken – zum ande­ren spricht das für die gewal­ti­gen Mit­tel-Tief­tö­ner Breit­bän­der*, die ihrer­seits für genü­gend Höhen gesorgt haben, um die­sen Man­gel für einen Nor­mal­hö­rer zu kaschie­ren. Toll!

*Nach­trag: Björn weist dar­auf hin, dass es sich beim 420A um einen Breit­bän­der han­delt, der nach oben hin mit 14kHz ange­ge­ben ist. Kein Wun­der, dass wir bei abge­klemm­ten Hoch­tö­nern zunächst nix ver­miss­ten!

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